#dienstagsgassi 28.09.21 : Die magische Kraft des Wörtchens "NEIN"

 

Wenn man so öffentlich ist, wie Autoren es nun mal sind, kann man sich vor Betrug und ähnlich unangenehmen Dingen nicht wirklich schützen –  man muss einfach hoffen, dass alles gut geht. In manchen Fällen tut das nicht.. 

Als Selfpublisher hat man das Problem, dass man nicht nur alles organisieren muss, sondern auch höchstselbst für das ganze lästige Marketing zuständig ist.

Ohne Blogger geht das nicht. 

 

Deshalb vertraut man sein Buch Bloggern an, damit sie die Kunde des schönen Werkes in die Welt tragen und im Idealfall freundlich darüber sprechen, weil auf die Blogger ganz viele Leute hören und ihre Stimme mehr oder weniger großes Gewicht hat. 

 

Man schickt also sein Buch (in physischer oder digitaler Form) an, sagen wir mal, fünfzehn Blogger, die man vielleicht in den Sozialen Medien gefunden hat, die man gebeten hat oder die einem um ein Rezensionsexemplar gebetenhaben .

Vielleicht schickt man ein paar hübsche Kleinigkeiten ("Goodies") mit, oder man lässt das und schickt nur das Buch. Oder das E-Book (in diesem Fall hat sich das mit den Goodies eh erledigt, außer, der Empfänger lässt sich mit ein paar weiteren Dateien in Form von Bildern verwöhnen und fragt nicht, ob's sonst noch gutgeht).

 

Okay, nehmen wir an, ihr macht das so wie ich und schickt Buch plus Goodies perPost zum Blogger, und natürlich habt ihr vorher verabredet, dass derjenige das Buch auch wirklich haben will (falls nicht, seid ihr selbst schuld, dann ist euch eh nicht zu helfen) und habt sinnvollerweise auch eine kleine Deadline gesetzt: bis da und da hin möchtet ihr bitte eine Rückmeldung, eine Rezension oder was auch immer ihr euch ausgedacht habt.

 

Dann wartet ihr. 

 

Ein Teil der Blogger tut, was er soll: bedankt sich für die Post, liest das Buch, äußert sich bei euch dazu und schreibt die besagte Rezension. 

Wie die Rezension ausfällt, ist übrigens egal, denn es geht nicht darum, nur positive Reaktionen zu erwarten oder (Achtung, NO GO!) zu verlangen. 

Eine Rezension wird geschrieben, hoffentlich bestehend aus wenig Nacherzählung und viel Meinung, Fall erledigt, Vertrag (!*) erfüllt, fertig ist die Laube, alle sind glücklich.

 

So.

Nun sind aber bei den fünfzehn immer ein paar dabei, die diese Absprache nicht erfüllen. Das kann unterschiedliche Gründe haben:

- Buch nicht erhalten

- Buch gefällt nicht

- Buch wird umgehend weiter veräußert 

- keine Zeit zum Lesen 

- keine Lust zum Schreiben 

- Blogger weiß nicht, was Autor eigentlich von ihm will. 

 

Unterdessen wartet der Autor. Es vergehen die verabredeten vier bis sechs Wochen (= ausreichender Zeitraum, um ein erwünschtes Buch zu lesen, zwei Tage zu reflektieren und eine fünf-bis-zehn-Sätze-Rezi bei Amazon und Konsorten hochzuladen), aus sechs werden zwölf, achtzehn, vierundzwanzig Wochen, inzwischen ist das Buch längts nicht mehr aktuell und zack! ist ein Jahr rum.

Der Autor fragt höflich nach, was denn passiert sei.

 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten:

- Ausreden (Kind krank, Mann krank, Katze krank, selber krank, Hausbau, Umzug, Urlaub, tausend andere Verpflichtungen, alle unvorhergesehen, tut mir leid, ich hol's sofort nach)

- totstellen. Keine Antwort. Niemals. Postet aber fleißig andere Bücher. 

 

Beides blöd. 

Allzu beharrliche Nachfragen führen manchmal zu Reaktionen, die eines erwachsenen Menschen nicht würdig sind: Rache-Rezis. (Man kann unter bestimmten Umständen eben doch nachvollziehen, wer was geschrieben hat, macht euch da mal nichts vor, bitte).

Wenn es jetzt noch ganz fett kommt, taucht das signierte Buch (oder auch das mit einem Kopierschutz versehene E-Book) irgendwo im Netz auf - bei Medimops (die nehmen inzwischen auch SP'ler, einer anderen Gebrauchtbuchplattform, bei einem Amazon-Händler, bei eBay. 

Wenn es noch dicker kommt, ist das E-Book irgendwo zum kostenlosen Download verfügbar. Das nennt man Raubkopie. Das Inverkehrbringen an sich ist eine strafbare Handlung nach dem StGB, zudem hat derjenige ggf. gegen andere Gesetze verstoßen, vom BGB abgesehen. Streng genommen könnte der geprellte Autor nun die große Keule auspacken, Anzeige erstatten etc. pp., nur: wofür? Für einen Streitwert von fünf oder fünfzehn Euro? Was macht der Staatsanwalt mit solchen Anzeigen? Genau.

Also ärgert ihr euch. 

 

Und zieht ein paar Konsequenzen.

 

Je professioneller ein Buch gemacht ist, umso mehr Leute begehren es. Aber so ein Buch kostet bekanntlich locker mal zehn bis siebzehn Euro.

Das Habenwollen-Drama kenne ich sehr gut. Beim Zuckerfee-Release wollte jeder dieses Buch (und das Drumherum, weil's toll war), und ich habe auch fleißig Bücher verschickt. In zwölf (!) Fällen habe ich nie mehr was davon gehört, zwei weitere vertrösten mich jetzt seit Januar "...aber dann lese ich endlich dein Buch!" Hey, nagelt es euch bitte ans Knie, ist mir jetzt egal. 

Dieses Verhalten zeigt sich auf allen Plattformen, bei denen man Büchern habhaft werden kann - auf Lovelybooks habe ich noch ein paar größere Verluste eingefahren, weil ich einfach nicht begreife, dass man Bpcher auch ohne Goodies verschickt (aber hey, ich geh auch nicht mit leeren Händen zu einer Party).

Tatsächlich habe ich etwas daraus gelernt. Meine Konsequenzen waren: keine Gewinnspiele mehr. Nur noch E-Books in Leserunden (ABER mit der einfach zu erfüllenden Möglichkeit, nachher das Taschenbuch als "Lohn" zu erhalten, und zwar wiederum egal, wie die Rezi ausfiel. Quid pro quo ist nicht illegal). Keine Streuung für bloße Lippenbekenntnisse mehr. 

 

 

Was könnte man also tun, um solche Flauten von vornherein zu vermeiden?

 

"Kommunizieren" ist das Zauberwort. Und generell mal vorher überlegen, was man da eigentlich tut. Hier ein kleiner Knigge für Blogger und Autoren.

 

Liebe Blogger!

Wir Autoren wissen genau, dass man nicht alle in einen Sack stecken kann. Es gibt Böse, und es gibt Gute. Meistens halten sich die helle und die dunkle Seite der Medaille einigermaßen die Waage, aber trotzdem kann es nicht falsch sein, für mehr Qualität zu sorgen.

 

Bitte lehnt ein Buch ab, wenn ihr absehen könnt, dass ihr es nicht innerhalb von, sagen wir, einem Vierteljahr lesen könnt. Nach so langer Zeit braucht man in der Regel keine forcierten Rezensionen mehr. 

Bitte lehnt ab, wenn der Autor explizit eine Rezension auf Amazon möchte, ihr das aber gar nicht leisten könnt. Es hat nicht jeder ein aktives Amazon-Konto.

Bitte lehnt ab, wenn ihr ein Buch aus einem Genre angeboten bekommt, das ihr eigentlich nicht mögt. Es hilft niemandem,  wenn ihr euch da durchquält, um dann am Ende zu dem Schluss zu kommen, hm, nein, das ist nicht das, was ich lesen will.  (Dafür gibt es Klappentexte. Dafür gibt es Buchbeschreibungen. Dafür gibt es die anderen Bewertungen.)

 

Bitte lehnt ab, wenn ihr grundsätzlich mit dem Autor und dem, wofür er steht, nicht wirklich warm werdet. Niemals werde ich begreifen, warum jemand freiwillig einen Roman über die Sorgen einer Polizistin lesen will und dann in der Rezi steht: "ich hasse Bullen und kann die Protagonistin nicht leiden" (Rezension wurde von Amazon wg. anderer Aussagen gelöscht). Man kann sich heutzutage umfassend über die Leute informieren, mit denen man zu tun hat. 

Bitte lehnt ab, wenn ihr grundsätzlich keine im Präsens verfassten Bücher lest.

Bitte lehnt ab, wenn ihr mit der Perspektive, die der Autor gewählt hat, noch nie klargekommen seid. Macht Autoren nicht zu Versuchsobjekten, nur weil ihr unbedingt dieses tolle Cover im Regal haben wollt, scheißegal, was zwischen den Deckeln steht. 

 

Bitte lehnt ab, wenn die anderen 120 Bücher auf eurem SUB auf jeden Fall noch vorher dran kommen. 

Bitte lehnt ab, wenn ihr vorhabt, euch mit Rezi-Exemplaren ein zweites finanzielles Standbein aufzubauen.

Bitte lehnt ab, wenn eure Mission darin besteht, Selfpublisher zu bashen.

Wenn ihr kein E-Book lesen wollt, kommuniziert das - rechtzeitig.

Wenn ihr lieber ein E-Book lesen möchtet und kein Print für euer aus allen Nähten brechendes Regal braucht, kommuniziert das. Die Autoren werden euch dankbar sein.

Wenn ihr keine Buchbox wollt, weil ihr nicht noch mehr Kinkerlitzchen gebrauchen könnt, kommuniziert das.

Wenn ihr Buchboxen liebt: freut euch darüber, aber fühlt euch nicht bestochen. Autoren erkennen mit dem Buch und den Goodies eure Bereitschaft an, Zeit zu opfern. Und die meisten lieben es abgöttisch, Buchboxen zusammenzustellen (jedenfalls ist das bei mir so, oder glaubt etwa jemand, ich müsste jemanden mit Tee, Lesezeichen und einem Kerzchen gefügig machen?). Nehmt Buchboxen als das, was sie sind: Geschenke ohne Verpflichtung, eine liebevolle Art, Persönlichkeit zu zeigen und Menschen wertzuschätzen, die sich Gedanken über das Buch machen, an dem einem selbst so viel liegt.

 

  

 

Liebe Autoren!

Ihr  müsst Qualität bieten, um damit zu punkten. Verschwendet nicht die Zeit der Blogger, indem ihr ein unausgereiftes Werk abgebt. Ihr wollt euch doch behaupten können auf dem Buchmarkt. Dazu gehört ein gutes Cover, ein 1-A-Klappentext und ein Inhalt, den man auch mit Genuss liest. Nun sind die Ansprüche zum Teil nicht besonders hoch, aber manchmal eben doch, und ihr wisst nie, wer euer Buch in den Fingern hat. Oder in der Mangel. 

In letzter Zeit erscheinen diese ganzen Corona-Bücher – Werke, die niemals entstanden wären, wenn die Leute nicht so viel Zeit zu Hause gehabt hätten. Es gibt auch hier klare Perlen, aber von zehn Bücher sind achteinhalb dabei, die wirklich schwer zu bewerten sind. Das ist auf Bookstagram so, und bei den Manuskripteinreichungen  in den Verlagen ebenfalls. Ich weiß, wovon ich rede.

Blogger sollen euch keinen Gefallen tun, indem sie euer Buch in den Himmel loben, wenn es das nicht verdient hat. Ihr wollt authentische, ehrliche Bewertung, oder nicht? Nein, ist mein persönlicher Eindruck, denn die meisten wollen das nicht wirklich. Die meisten wollen einfach fünf Sterne. Dass das  gegen die Ehre mancher Blogger geht, verstehe ich gut.

 

Bitte drängt euch nicht auf. Wenn jemand sagt, er hat keine Zeit: belasst es dabei. Es gibt genug andere Blogger.

Wenn jemand sagt,  ich lese aber kein Fantasy: belasst es dabei. W

Wenn jemand sagt, alles toll, aber ich kann erst in einem halben Jahr: denkt über eure Strategie nach und fragt ggf. dann noch mal nach. 

Wenn jemand nur LYX und Piper im Schrank haben will und das Buch mit BoD-Logo  nicht lesen will, dann biedert euch nicht an.

Wenn jemand Wert darauf legt, sich von gewissen Themen fern zu halten, dann knallt ihm nicht euer BDSM-Werk vor den Latz.

Wenn jemand nur über Krimis oder Kinderbücher bloggt, kommt nicht mit einer super sexy Erwachsenen-Geschichte daher.

 

Und, liebe Autoren, ihr müsst keine Buchboxen verschicken.

Wenn ihr euch das nicht leisten könnt oder wollt oder einfach nicht auf diesen Zug aufspringen wollt, lasst es einfach sein, das ist völlig okay. 

Es gibt Blogs, die gegen Bezahlung bloggen, aber das ist eine vertragliche Regelung, die getroffen wird. Ob man solche Geschäftsbeziehung eingehen möchte, soll jeder selbst entscheiden, aber ich denke, dass diese Regionen nicht die sind, über die wir hier reden.

Rezensionsexemplare sind, genau wie Buchboxen, eine Form der Anerkennung. Wer das als unzulässige Einflussnahme im Hinblick auf die zukünftige Rezi wertet, hat vielleicht etwas nicht verstanden.

 

Doch wenn ihr Buchboxen gratis verschickt, dann seid euch darüber bewusst, dass es sich um eine Limited Edition handeln sollte, die es nur hier und nur in dieser Form gibt. Und denkt gründlich darüber nach, was darin sein soll.  Niemand braucht Kulis, die nach einer Woche den Geist aufgeben oder irgendwelches Zeug, das ihr gerade noch übrig hattet.

Im besten Fall bezieht sich der Inhalt einer Buchbox eng auf das aktuelle Buch.  Buchboxen sind kein Sammelbecken für alles Mögliche (Ausnahme: Lesezeichen und Postkarten, die man unter den Autoren austauscht, um für andere Bücher zu werben). Wer Ramsch aus dem 1-Euro-Laden oder die billigste Sorte Badesalz in Buchboxen packt, die Anklang finden sollen, dem ist sowieso nicht zu helfen.
Verpackt die Sachen anständig. Versendet nicht in der günstigsten (aber langsamsten) Form. Es ist ein Ärgernis, wenn man einen halb zerfetzten Briefumschlag aus dem Postfach zieht, aus dem Schokolade heraustropft, weil der Postbote das Ding in euren Briefkasten gelegt hat, der mitten in der Sonne steht. Beschädigte, eingerissene oder zerknickte Bücher sind kein Aushängeschild und kein Zeichen von sorgfältiger Arbeit. 

 

Macht euch Gedanken. Kommuniziert. Fragt nach.

Was ich übrigens nicht ankreiden würde, sondern eher als Zeichen von Größe empfinde, ist: Wenn jemand zwischendurch merkt, o je, ich  komm mit deinem Buch einfach nicht klar – und dann abbricht.  In dem Fall fände ich es toll, wenn der Blogger das Buch weitergeben würde an einen Kollegen, der vielleicht mehr damit anfangen kann.

Apropos weitergeben: Wenn es wirklich an drei oder fünf Euro Porto hängt, dann ist das Problem wohl eher ein anderes. 

Das Verkaufen von Rezi-Exemplaren ist eine Unsitte, die sich verbreitet hat. Ich habe eins meiner eigenen Bücher zurückgekauft, weil ich wissen wollte, wer dahintersteckt. Der Teil der Titelei war herausgetrennt (die mit der persönlichen Widmung), aber ich versehe die Bücher mit einer Kennzeichnung. 

Wobei man wissen muss, dass es sich in vielen Fällen um Lesexemplare handelt, die für den Handel weder bestimmt noch geeignet sind. Es gibt verschiedene Merkmale, die den Verkauf eines Buches nicht zulassen.  Im schlimmsten Falle bekommt der Autor )(nicht der Verkäufer!) dann nachträglich eine Abmahnung.

 

Hört auf euer Bauchgefühl und fragt notfalls jemanden, der euch helfen kann: Nicht nur große Blogs sind toll. Jeder hat mal angefangen.  Aber wehrt euch, wenn etwas nicht funktioniert. 

Das mit dem "NEIN"-Sagen an diesem Dienstag bezieht sich natürlich ebenso auf den Rest des Lebens. Nein kann man auch zu Bloggern oder Autoren sagen, wer hätte es gedacht! In vielfältiger Hinsicht nein sagen zu können, ist wichtig.  Manchmal überlebenswichtig. 



So. Habe fertig. Wenn mir noch was Bahnbrechendes dazu einfällt, wird's ergänzt.

 

Bis zum nächsten Mal!

Eure Meg

 

©09/2021

 

 

 

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