#dienstagsgassi 31.08.: Preisaktionen

 

Hallo, ihr Lieben!

 

Willkommen zu meinem ersten #dienstagsgassi. Hier gibt es jeden Dienstag Themen, die (hoffentlich) sowohl Autoren als auch Leser und Blogger interessieren. Und manchmal auch Hundefans 😊

 

Ich würde mich freuen, wenn ihr unter dem entsprechenden Instagram-Beitrag kommentiert oder sogar eure eigenen Erfahrungen unter dem Hashtag auf eurem Feed teilt (und mich markiert, bitte, damit ich es sehe und in meiner Story darauf eingehen kann). Viel Spaß also beim Plaudern 😊

 

Bei Insta findet ihr die Kurzform zu dem Thema, quasi einen Teaser. Die Langform mit ein wenig mehr Input gibt es hier auf meinem Blog.

 

Ich will mit dem Thema „Preisaktionen“ beginnen. Toll für Leser, mau für Schreiber? Für viele Autoren in meinem Umkreis ist das der absolute Aufreger, denn je günstiger das Buch, desto weniger (logo) bleibt für den Autor an Tantiemen/Marge übrig. Und 500 Seiten feinste, persönlichste Prosa für 99 Cent? Hallo ?! Schlimm genug, wenn eine Schachtel Zigaretten oder ein Becher Heißgetränk vom Coffeedealer mehr kostet als ein BUCH! So denken viele, und sie haben nicht unrecht. 

Nur: Geben Leser wirklich mehr als drei, vier, fünf Euro für die Werke eines Selfpublishers aus, besonders, wenn dieser gerade sein erstes Buch der Öffentlichkeit zugänglich macht? 

Und wie viele Leser tun das? Fünfzig? Hundert?

Reichen euch fünfzig oder hundert Leser?

Ich fürchte, nö. Alles unter tausend Eiern kann keine Unkosten decken, jedenfalls nicht, wenn ihr ordentlich gearbeitet habt. 

Also verkaufen viele ihr Buch über den Preis, und eins erreicht ihr mit Preisaktionen auf jeden Fall: Mehr Leute werden darauf aufmerksam. Ob das die richtigen Leute sind, sei mal dahingestellt, aber tragischerweise ist das wie überall: Kompromisse tun weh, und einen Tod muss man leider sterben. 

 

Als Selfpublisher hat man die Möglichkeit, relativ unproblematisch Preisaktionen für E-Books zu machen (sofern man bei KDP veröffentlicht: Reduzierung des Preises bei E-Books, z.B. auf 99 Cent, oder auch Gratis-Aktionen). Bei Prints sind Reduzierungen wegen der Buchpreisbindung nicht möglich.

 

Viele SP‘ler stehen solchen (Marketing-)Aktionen kritisch bis ablehnend gegenüber und sprechen von „Verschleudern“: Der Lohn für gute Arbeit darf sich nicht im Centbereich bewegen.

Wenn ihr gerechten (oder auch nur angemessenen) Lohn für eure gute Arbeit haben möchtet: schreibt keine Bücher. Bei einem Verlagsvertrag mit einem der großen Häuser wird man sich dem „gerechten Lohn“ in Form eines fünfstelligen Vorschusses annähern, aber hey, bedauerlicherweise fürchte ich, dass nur sehr wenige hier so weit schon sind.

 

Wieviel Geld verdient man mit einem im Selfpublishing vertriebenen Buch? Etwa 1 bis 2 €, wenn ihr keine Fantasiepreise ansetzt, die eh keiner bezahlen will (Preise unterliegen gewissen Gesetzmäßigkeiten, aber das führt hier zu weit).

Von diesem „Erlös“ müsst ihr eure Unkosten decken. Wenn die Unkosten nicht gedeckt werden - was bei vielen Autoren vorkommt -, ist das natürlich nicht so gut.

Ich bezahle davon: ein professionelles Cover (300-500 €), Lektorat und Korrektorat (ab 1,50/Normseite), die Gebühren zur Veröffentlichung (19 €), Kosten für Marketing (z.B. Buchmerch, Prints für Blogger, Leserunden etc., Messebesuch). Das Ganze beläuft sich von vornherein also auf mindestens etwa 2500 €. Lehrgeld bezahlt übrigens (fast) jeder mal, auch ich. 

 

Jetzt geht es mir nicht darum, mit Schreiben Geld zu verdienen. Wenn ich davon leben müsste, würde ich mich schwer umgucken – nein, das kommt überhaupt nicht in Frage, dieses Ziel habe ich nicht, hallo, ich bin A11er-Beamtin, wie tief soll ich denn bitte stapeln und auf was soll ich da alles verzichten? (Es gibt noch zwei andere gewichtige Gründe, wieso ich nicht mit Schreiben meinen Lebensunterhalt verdienen will, aber darauf machen wir lieber ein anderes #dienstagsgassi). Nee, solche idealistischen Ideen kann ich mir nicht leisten. Ja, das ist arrogant, aber wir wollten doch über Zahlen reden, oder doch nicht?

 

Geld kann dabei nicht der Antrieb sein, es sei denn, ihr verkauft zu normalen Zeiten sehr viele Bücher zum regulären Preis und verzichtet durch eure Preisaktionen nun auf diese Einkünfte, weil die Tantiemen sich bei VKs unter einer bestimmten Grenze natürlich reduzieren.

 

Wenn jemand sein erstes oder zweites Buch veröffentlicht, geht es eigentlich nur um eins: Meter zu machen. Bekannt zu werden, Rezis einzufahren (Achtung: Risiko! – kann danebengehen!).

Selfpublishing ist bekanntermaßen investitionsintensiv (sofern man einen gewissen Anspruch hat, und den setze ich bei euch mal voraus). Niemand, der erst ein oder zwei Bücher rausgebracht hat, kann ernsthaft erwarten, davon zu leben. Okay, wenn du bei Lyx oder Blanvalet veröffentlichst, vielleicht schon, jedenfalls für eine Weile, aber nicht als SP’ler.

 

Bei Amazon dreht sich alles um den „Rang“, was kurzfristig gedacht ist, oder wollt ihr nur Amazon-Kunden als Leser?

Das Problem mit Preisaktionen ist, dass Leute zu deinem Buch greifen, die es sonst nicht kaufen würden (das beinhaltet auch alle Hater, Neider, Weggefährten und sonstwie Neugierigen, die einfach mal gucken wollen, aber kein Geld ausgeben möchten. Hat was mit blankem Habenwollen zu tun.)

 

Nebeneffekt: Der Massendownload führt zu mehr Bewertungen, was gerade bei den E-Books zurzeit schnell wie der Blitz geht - allerdings handelt man sich gern auch eher unerwünschte Bewertungen ein à la „nicht mein Geschmack“ und „kann damit nichts anfangen“. Tja, hätte man’s doch nicht auf den Kindle geladen, Sie Sparbrötchen!

Sieht dein Buch einigermaßen schick aus, wird es sich ein paar Tage lang auf den vorderen Plätzen halten. So kommt man rasch und relativ sicher zu Platz 1, was natürlich wunderschön ist. Platz 1 in irgendeiner Amazon-Kategorie sieht erst mal gut aus. Leider ist der Spaß nach ein paar Tagen wieder vorbei, weil man natürlich nicht unbegrenzt seine Bücher verschenken will. Um den Effekt zu regenerieren, muss man die nächste Preisaktion machen. Die schwächen sich aber mit der Zeit ab. Dies wie auch das mit den vorderen Plätzen liegt klar in der Natur der Sache. Gut ist: dein Konto wird dir die vielen Downloads danken! Die regulären Käufer hast du verloren, dafür aber viele Zufallsleser gewonnen.

 

Werbung auf Social Media habe ich noch nie gemacht, und auch diese Amazon-Marketing-Sache gefällt mir nicht wirklich. Ich tendiere neuerdings dazu, lieber anders zu werben, denn Sichtbarkeit bei Amazon ist entgegen der landläufigen Meinung nicht alles (aber das kommt erst bei der nächsten VÖ, dazu sage ich gern dann was).

Amazon-Werbung ist leider nicht nachhaltig, aber wen interessieren schon nachhaltige Effekte, wenn man Fotos mit „I am Platz 1“ posten kann – aber zeigt ja nicht die Kategorie. Ich kenne sehr erfolgreiche Autoren, die bei Amazon irgendwo unter ferner liefen sind, aber trotzdem vierstellige Auflagen verkaufen.

 

Dumpingpreise schaden allen Autoren? Ihr werdet den Markt nicht durch euren Idealismus und lobenswerte Prinzipien verändern. Ich weiß, dass Realismus out ist. Aber so ist nun mal. Bei ganz vielen Autoren habe ich das Gefühl, es mit Träumern zu tun haben. Mit Leuten, die in ihrem Elfenbeinturm sitzen und auf eine schöne sonnige Landschaft herabstarren, in der ihnen die Leser huldigen.

Eure Prinzipien in allen Ehren, aber erwartet vom ersten Buch nicht zu viel. Klar gibt es Sternschnuppen. Es gibt auch ein paar Dauerbrenner. Und es gibt sogar einige wenige Autoren, die richtig, richtig gut ihr erstes Buch vermarkten. Die sind dann aber auch jeden Tag mit richtig gutem Content aktiv. Das kostet Zeit und Energie, und zwar nicht zu knapp. Wie lange könnt ihr das durchhalten? Sechs Wochen? Sechs Monate?  Respekt. Der Erfolg wird euch recht geben!

 

So… Preisaktionen. Ich habe am Wochenende gerade eine gemacht, für zwei Tage. Wie steht ihr zu Preisaktionen? Macht ihr welche? Bringt es was? Oder würdet ihr so was nie-nay-never tun?

 

Liebe Grüße, und folgt meinem Hashtag: #dienstagsgassi.

Eure Meg

31.08.2021 :-)

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