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Beagle im Tierversuch

Eine ganz wichtige Sache gleich zu Beginn: Bei mir leben zwei Katzen und vier Hunde. Einige davon sind ehemalige Labortiere, die von verschiedenen, Laborbeagle vermittelnden Organisationen stammen. Ich bin eindeutig gegen Tierversuche und wäre hocherfreut, wenn eines Tages keine Laborbeagle mehr zu vermitteln wären, einfach, weil es dann keine Beagle im Tierversuch mehr gibt. Noch schöner fände auch ich einen kompletten Ausstieg aus Tierversuchen, aber das ist leider so ähnlich wie mit dem Klimaschutz: Weder der Rest Europas, und schon gar nicht der Rest der Welt, wird da so bald mitziehen - nicht, solange es eine Menge Länder gibt, die noch ganz andere Dinge mit Tieren tun, die gar kein Tierschutzgesetz haben, das den Namen wert ist, und in denen ein Tier wenig bis nichts gilt, weil die Menschen ganz andere Nöte und eine ganz andere Mentalität und, nicht zuletzt, eine ganz andere Bildung haben. Man braucht nicht weit zu gehen: Auch - beispielsweise - Rumänien gehört zur EU, und Sie möchten nicht wissen, wie es da zugeht. Oder Italien. Frankreich. Hightech-Forschung.
Also: Es dauert noch. Bis es soweit ist, scheint es den laborbeaglevermittelnden Vereinen geboten, den Hunden, die freikommen können, ein gutes Leben zu bieten. In den letzten 13 Jahren waren das (bei Laborbeaglehilfe e.V.) immerhin mehr als 2200 Leben. Die Zahlen der anderen Organisationen liegen mir nicht vor. Dem gegenüber stehen jährlich deutschlandweit rund 3800 Hunde, die im Tierversuch ihr Leben lassen. Es ist zeitgemäß, richtig und bewundernswert, dass gegen Tierleid protestiert und vorgegangen wird und dass es Menschen, Gruppen, Organisationen gibt, die in dieser Hinsicht mutige, bahnbrechende Dinge tun.
Ich bin aber auch grundsätzlich gegen die Verbreitung unrichtiger Annahmen. Ich arbeite seit vielen Jahren bei der Laborbeaglehilfe e.V. mit. Deshalb gibt es jetzt mal ein paar Statements zu den teilweise haarsträubenden Vorurteilen, mit denen man ihm Rahmen dieser Arbeit so konfrontiert wird.
Die “Irrtum”-Serie wird in lockerer Folge fortgesetzt.
Irrtum Nr. 1 lautet: Man kann jeden x-beliebigen Hund einkassieren und ins Labor verfrachten, um ihn dort für Tierversuche einzusetzen.
Leute, mal ehrlich: Glaubt denn wirklich jemand, die Labore schicken Leute durchs Land, die einzelne Hunde auf den Straßen fangen? Die Fundhunde casten? Die den Bestand tausender Tierheime scannen? Hunde (womöglich Straßenhunde) aus dem Ausland importieren oder euren Hund aus dem Garten klauen?
Das ist nicht der Fall. Warum nicht? Kurze Antwort: Unzureichend, unsinnig, unrentabel.
Lange Antwort: Tierversuche - so traurig und hartherzig das jetzt rüberkommt - unterliegen gewissen Bestimmungen. Man benötigt eine gewisse Anzahl von Tieren (egal jetzt mal, ob es sich um Mäuse, Ratten, Schweine oder Hunde handelt) gleicher Art. Das heißt: gleiche Rasse, gleiche Herkunft, gleiches Geschlecht, gleiches Alter, gleicher Gesundheitszustand, ggf. sogar noch gleicher Genpool, gleiche Blutgruppe, gleiche Größe und gleiches Gewicht, gleiche Eltern, gleicher medizinischer Status. Gleiche Voraussetzungen eben. Wie, bitte, soll ein Versuchstierleiter das gewährleisten, indem er Hunde von mal hier, mal da holt? Die Ergebnisse wären von vornherein für die Tonne und würden sowieso niemals genehmigt, alle Tiere hätten umsonst gelitten.
Tiere, die für Tierversuche eingesetzt werden, kommen aus speziellen Züchtungen. Natürlich ist auch das ethisch nicht schön, aber diese Tiere werden in großen Stückzahlen extra für die Verwendung in Tierversuchen gezüchtet. Was ihre Bedeutung und ihre Rechte nicht schmälert (ja, ich fürchte, das muss noch mal extra deutlich betont werden). Größere Säugetiere (=Hunde) aus solchen Züchtungen sind extrem selektiert, sehr wertvoll und sehr teuer: Ihr Preis schlägt locker den eines Beagle aus bester Jagdhundzüchtung. Es gibt nicht nur Beagles in den Laboren, aber selbst die (wenigen) anderen Rassen und deren Varietäten werden so gemacht, wie die Institute sie benötigen. Die wenigsten Zuchtbetriebe sind in Deutschland. Die Tiere werden zu einem großen Teil importiert.
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Irrtum Nr. 2: Oft - in letzter Zeit häufiger - wird den Labortiervermittlungsvereinen vorgeworfen, sie würden Tierversuche unterstützen, indem sie den Instituten am Ende die Hunde abnehmen. Was denen die Kosten für die Entsorgung spart.
Diese Mutmaßung ist leider ebenso traurig wie lächerlich.
  • Sie ist traurig, weil man niemals alle Hunde, die aktuell im Tierversuch sind, abholen, vermitteln und finanzieren könnten. Nicht mal, wenn sich alle laborbeaglevermittelnden Organisation DER GANZEN WELT zusammentun würden. Die Zahl der Hunde im Tierversuch lag 2017 bei etwa 3300 (in Deutschland; Zahl ggü. Vorjahr leicht rückläufig, Zahlen aus 2018 noch nicht veröffentlicht, Quelle: BMEL*).
  • Sie ist lächerlich, weil das nur eine weitere Scheißhausparole derjenigen ist, die erst gar nichts versuchen und dafür denen, die es tun, lieber vorwerfen, erst zu handeln, wenn es schon längst zu spät ist. Oder sollte man die (i.d.R. maximal) 10 %, die “draußen” leben könnten, etwa auch aufgeben?
Viele Institute sind in den letzten, sagen wir, 15 Jahren, dazu übergangen, gesunde Tiere an Tierschutzorganisationen abzugeben. Viele andere Institute tun das bis heute nicht. Müssen sie ja auch nicht. Die Freigabe von Hunden an geeignete (!), ausgewählte (!) Organisationen ist eine freiwillige Abrede, eine Good-Will-Vereinbarung. Die Labore kämen sicher auch gut ohne Leute wie die klar und hätten weniger Stress und Aufwand, wenn auch die gesunden Tiere nach der Beendigung ihres Zweckdaseins eingeschläfert würden. Das Heckmeck mit den Tierschützern muss sich nämlich niemand geben, es ist eine freiwillige Sache, und zumindest ich bin dankbar, dass es etliche doch tun.
Es ist nämlich wurschtegal, ob 150 (oder auch 330) Hunde jährlich als ein Tropfen auf den heißen Stein gelten. 150 Leben sind 150 Leben und deutlich besser als gar nix, und wer das nicht begreift und wertschätzt, der hat sowieso das Meiste nicht verstanden.
Die Tierschutzorganisationen, die also ein Heidengeld und -zig Arbeitsstunden dafür lockermachen, diese Hunde zwar kostenlos zu übernehmen, zugunsten einer grottenschlechten Ökobilanz dann aber zu fahren und zu versorgen, sind ganz sicher keine Tierversuchsbefürworter. Und garantiert unterstützen sie niemanden, indem sie ihm Restbestände abnehmen. Dafür gibt es direkt vor Ort und ohne jedes Hin- und Herkarren eine viel günstigere, schnellere und einfachere Lösung, die ja auch in vielen Fällen praktiziert wird.
Die Hunde, die nicht entlassen werden können (aus unterschiedlichen Gründen), bleiben da. Manche werden nach sechs Monaten entlassen, einige schon als Welpe. Viele im Alter zwischen 2 und 4 Jahren. Andere werden 8 oder 9 Jahre alt. Wenn sie dann immer noch nicht freigegeben werden (konnten), sterben sie dort. Solange keine politische Lösung da ist, werden die Tierversuchszahlen mit der Zeit zwar geringer werden, aber sich leider nicht in den nächsten Monaten in Luft auflösen.
Ja, das ist alles zynisch. Wird noch schlimmer: Auch diese Labore, Unternehmen und Forschungseinrichtungen erfüllen Aufträge - für die Bevölkerung. Falls es wer noch nicht weiß: Deutschland ist ganz vorn im Tierschutz. Viele andere Länder sind es nicht, und man braucht keine Tagesreise Richtung Osten oder Süden zu machen, um das zu beweisen. Klartext: Den meisten unserer europäischen Nachbarn ist die korrekte Auslegung von EU-Richtlinien ziemlich latte. Es scheint wahrscheinlich, dass Menschen in, zum Beispiel, Rumänien andere Prioritäten setzen als die Einwohner eines fortschrittlicheren EU-Mitgliedslandes. Genehmigungsverfahren für Tierversuche sind lang und teuer. In Deutschland.
Und nur, weil von 82 Millionen Einwohnern leider ein Teil gerade erst gemerkt hat (viele wussten es schon länger), dass Hunde in Tierversuchen eingesetzt werden, wird davon nicht der Mond viereckig. Im Ausland gibt es solchen lästigen Kram sowieso nicht, außerdem ist da eh alles viel billiger. Fängt schon bei den Arbeitskräften an. Euthanasie in, zum Beispiel, Rumänien ist übrigens mit Euthanasie in Deutschland auch nicht zu vergleichen, fragen Sie gern mal Tierschützer vor Ort.
Es sind derzeit etliche Menschen dagegen, dass Hunde nach ihrem Labordasein in liebevolle Familien umziehen dürfen: geschuldet ist diese Meinung der Vermutung, dass jeder Platz, den Laborbeaglehilfen frei machen, erst dann wieder neu besetzt werden kann. Das ist nicht so. Die Institute lachen sich kaputt über diese irrige Annahme. Rechnen Sie mal durch: wenn die LBH mit zwanzig Instituten zusammenarbeitet und 150 Hunde im Jahr übernimmt. Macht wieviele Hunde pro Institut?
Genau.
Selbst wenn alle sechs Vermittlungshilfen übers Jahr so viele Hunde übernehmen würden, was nicht Fall ist, würde es für die Nachschubbeschaffung immer noch nicht die klitzekleinste Rolle spielen. Wem das nicht klar ist, dem kann ich leider auch nicht mehr helfen.
Man darf diese Art der Kooperation nicht mit der Abnahme von Hunden bei z.B. Vermehrern verwechseln, aber viele können das offenbar nicht unterscheiden. Eine Gemeinsamkeit gibt es: Weder der gemeine Vermehrer noch die Versuchseinrichtungen brauchen zum Entsorgen ihrer Tiere Leute wie uns. Legal handeln die Institute trotzdem, denn zu jedem Gesetz gibt es noch etliche Ergänzungen und Zusatzbestimmungen, Erlasse und Verwaltungsvorschriften.
Genug davon jetzt. Ausführlich gehe ich darauf später an anderer Stelle ein. Wer’s bis dahin genauer wissen will: einfach fragen.
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Irrtum Nr. 3: Um in einem Tierversuchslabor arbeiten zu können, muss man total hohl in der Birne, gefühllos, geistesgestört oder psychopathisch veranlagt sein.
Falsch, falsch, falsch. Aber das glaubt ja wieder keiner, weil alle nur vom Gegenteil ausgehen. Weil es einfacher ist, alles über den weltberühmten einen Kamm zu donnern. In den letzten Wochen habe ich gefühlt tausend Mal gelesen: “wie kann man das denn machen!”, “wie kann man da noch ruhig schlafen” und “für Geld machen die Menschen echt alles”.
Es gibt noch andere Berufe, von denen die Leute das sagen. Mitarbeiter der Laborbeaglevermittlungvereine waren in einigen Laboren. Nein, sie lassen sich nicht betuppen und alles erzählen. Nein, sie waren vermutlich nicht in jedem Bereich der Unternehmen. Ja, es sterben überall Tiere. Aber es gibt eben auch die anderen, die Guten, die sich wirklich kümmern.
Im Moment werden ALLE Mitarbeiter beleidigt, verunglimpft, beschimpft, angegriffen. Natürlich mag es Leute geben, die den Belastungen und Anforderungen dieses Berufes nicht gewachsen sind und ihren Frust an den Tieren auslassen, wo die Supervision fehlt und sonst noch manches nicht stimmt - wo vielleicht eins zum anderen führt.
Aber das ist nicht die Regel. Im Gegenteil. Traurig daran ist, dass ein Teil der Kommentatoren tief unter die Gürtellinie tritt und jedes Maß an Kritik verloren hat. Da schreibt man dann gern zum 100. Mal unter einen weiteren Aufgeil-Post: “Es gibt nichts Verachtenswerteres als die Spezies Mensch.” Ja! Eben!
Irrtum Nr. 4...
ist gar keiner: Mitarbeiter von Firmen, die Tierversuche durchführen, dürfen manchmal Tiere mit nach Hause nehmen.
Boah. Das müssen manche wahrscheinlich erst mal sacken lassen, und ich höre schon, wie sie plärren: “um sie dann weiter zu quälen / zu missbrauchen / zu foltern / zu ESSEN? * ” Mancher mutmaßt garantiert auch wieder: “HARHAR! Natürlich, um sie heimlich zu entsorgen! Sie mitsamt der Beweise verschwinden zu lassen! Der Firma die Mühe der Entsorgung abzunehmen!”
Verschwinden lassen? Wo denn? Etwa in der Hausmülltonne? Oder Gehwegplatte um den Kadaver und ab damit in die Elbe? Hatten wir schon. War aber kein Mitarbeiter, sondern ein überforderter Halter. Und “essen”? Hallo? Ein Tier, das Toxizitätstest mitgemacht hat? Ach so, nur die aus den Kontrollgruppen, ah, so so. Ich dachte, die dürften nicht getötet werden? Merkt ihr es? Die Argumentation ist scheiße.
Jetzt mal wieder im Ernst und schön sachlich: es gibt sie tatsächlich, die Mitarbeiter, die sich für das Wohlergehen der Tiere interessieren. Es gibt verdammt viele davon. Manche warten sogar lange darauf, “diesen” Hund übernehmen zu dürfen, und sind mehr als traurig, wenn es dann aus irgendwelchen Gründen doch nicht geht. Das muss man mir natürlich nicht glauben, aber ehrlich gesagt, ist mir das auch herzlich egal. Von manchen Unternehmen, institutsintern und ohne jede Öffentlichkeitswirkung, werden Versuchstiere, vor allem Hunde und Katzen, manchmal vermittelt. Und führen dann ein zweites Leben als geliebtes Haustier. Und die Leute haben ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Tieren, die sie bis dahin jeden Tag aufs neue zurücklassen mussten.
Tja, wer hätte das gedacht! Übrigens wäre die übliche Entsorgung der Tiere viel einfacher als dieser neumodische Quatsch mit der Abgabe, die an tausend Bedingungen und noch mehr lästige Vorschriften geknüpft ist und zudem mit Zeit und Geld und grässlich viel Aufwand verbunden ist. Darüber schreibe ich dann ein andermal. Ist aber auch einer dieser Jobs, die keiner wahrhaben oder machen will. Sei’s drum, ihr seid ja mittlerweile super gebrieft im Ertragen von Bildern und kennt euch ja sowieso irre gut aus mit allem.
*Quelle: SOKO Tierschutz, 12. November, 19.35 Uhr: “Die Tiere starben nach Wochen im Käfig in einem Tierversuch. Einige überlebten. Unser Ermittler fragte, wo die Tiere geblieben wären. Die Antwort: Tierpflegerhelfer hatten sie aus dem Labor geschmuggelt um sie zu schlachten und zu essen.”
Bitte: bilden Sie sich darüber Ihre eigene Meinung.
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Irrtum Nr. 5: Tiere aus Versuchslaboren können nach ihrer Freigabe an jeden x-beliebigen Tierschutzverein abgeben werden, wo die Tiere dann an Privatpersonen vermittelt werden.
Nein, das stimmt eben leider auch nicht. Oder besser gesagt: es stimmt zum Glück nicht.
Ehemalige Versuchstiere (wir beziehen uns vornehmlich auf Hunde) dürfen unter gewissen Umständen in Familien vermittelt werden, wo das Tier dann im wahrsten Sinne des Wortes ein zweites Leben erwartet: Eins, wie Hunde es haben sollten.
Das Ding ist, dass diese Hunde nur an geeignete Tierschutzorganisationen übergeben werden dürfen. Nun ist ein Tierheim natürlich keineswegs ungeeignet. Aber es fehlen ein paar essentielle Dinge: zum einen Vermittlungspraxis, was Laborbeagle anbelangt. Zum anderen die Sachkunde, was die speziellen Eigenarten von Laborbeagles angebelangt - ja, sorry, Laborbeagle sind anders. Special. Aber richtig wichtig ist Grund 3: Es gibt keine Übernahmevereinbarung mit normalen Tierheimen, keinen Kooperationsvertrag, kein anderes Institut, das das Tierheim XY beleumunden und empfehlen würde, keinen Nachweis der Verschwiegenheit. Es sei denn, der Deutsche Tierschutzbund, der ja sozusagen der Boss der ganzen Tierheime in der Republik ist, garantiert, dass die alle schön die Klappe über die Herkunft und die Art der Verwendung der Tiere halten.
Zur Abgabe und Übernahme von ehemaligen Laborhunden gibt es beispielsweise das “Kölner Modell” und Absprachen mit ganz bestimmten gemeinnützigen Vereinen, die sich eine gewisse Kompetenz zur Vermittlung ehemaliger Laborbeagle (teilweise auch anderer Labortiere) angeeignet haben.
Dass Laborhunde in ein Tierheim entlassen werden, ist nahezu ausgeschlossen (es sei denn, dieses Tierheim verfährt nach dem “Kölner Modell”. Das tun aber die wenigsten). Das Tierheim Wermelskirchen ist eines dieser wenigen, und Frau Ditges, die ich persönlich kenne und sehr schätze, hat eine enorm hohe Kompetenz in Sachen Laborhundevermittlung, genauso wie die Tierheimleitung, die aktuell Magda Ditges’ Stelle eingenommen hat.
Alle anderen Tierheime können sicher toll Hunde betreuen und vermitteln, aber keine Laborbeagle. Punkt. Natürlich sind Tierheime kompetent. Es gibt sehr gut geführte Tierheime und Tierheimleiter, die sich mit allem Herzblut und sehr viel Verstand um ihre Schützlinge kümmern. Und wenn sie einen Funken Grips haben, werden sie keinen Beagle freiwillig aufnehmen, und mehrere frisch entlassen Laborhunde schon mal gar nicht. Da kann der oft besungene Deutsche Tierschutzbund machen, was er will. Da alle nach dem DTB plärren und nach Beschlagnahme, nochmal kurz dreieinhalb Sätze dazu: DTB = Tierheim. Tierheim = nicht okay für Laborbeagle. Beschlagnahme = Rechtseingriff, not so easy wie mancher Laie denkt, der Staatsanwaltschaft vorbehalten (und der Polizei, bei Gefahr im Verzuge. Aber Gefahr im Verzuge gibt es dort schon sehr lange nicht mehr. Dieser Kritikpunkt geht übrigens direkt an die vermeintlichen “Retter”).
So, und wieso ist das jetzt schon wieder so kompliziert?
Weil Laborbeagle besondere Hunde sind. Weil die Vermittlung dieser Hunde spezielle Erfahrung erfordert. Vor allem aber, weil die Institute diese Hunde gar nicht an Tierheime geben. Weil Rehoming-Programme nämlich kein Tierheim als Zwischenstation vorsehen. Und wenn das Institut es dann doch so haben möchte, rennt man dem Tierheim die Türen ein, vermittelt Laborbeagle in ungeignete Hände, trägt die Konsequenzen und hat ein Riesenproblem. Oder zehn. Oder zwanzig. Je nachdem, wie oft man halt „hier“ geschrien hat im Bestreben, auch was von dem großen Kuchen abzukriegen, denn natürlich weiß im Moment jeder Tierheimbetreiber, wie heiß die Leute auf frisch entlassene Laborbeagle sind - könnten ja möglicherweise aus der Gegend rund um Hamburg kommen, und so einen zu “retten” wäre ja quasi der Ritterschlag für jeden Tierliebhaber.
Laborbeagle werden von Laborbeagle vermittelnden Orgas vermittelt. Die Hunde werden übrigens nicht im Geheimen vermittelt, sondern vor aller Augen. Und wenn Sie einen haben möchten, dann bewerben Sie sich bitte dort. Gibt nicht viele dieser Orgas , und das Bewerbungsverfahren ist der reinste Alptraum. Auch das als Pflegestelle, aber machen Sie ruhig mal. Wenn all die Leute, die in den Facebookgruppen gerade den Rand so weit aufreißen, auch einen Beagle vermittelt bekämen (was nicht passieren wird), dann wäre allen Hunden geholfen.
Die fiese Wahrheit ist: 90 % all der “Tierretter” sind für einen dieser Hunde nämlich gar nicht geeignet. Es ist mitnichten so, dass jeder einfach mal eben einen Laborbeagle kriegt, nein, auch nicht „nur“ als Pflegestelle. Egal, denn das Thema ist ja hier: Tierheim für Laborbeagle, or not.
Affen können an Privatpersonen nicht vermittelt werden. Und nur in ganz besonderen Ausnahmefällen von Auffangstationen, Zoos oder Tierparks übernommen werden. Auch Auswildern ist höchst unwahrscheinlich. Kleintiere und Nager werden grundsätzlich eher selten vermittelt.
Es gibt für all das noch ein paar mehr als die hier genannten Gründe. Wer mag, kann mich ja fragen.
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Irrtum Nr. 6: Was Labortierübernahme mit den Bremer Stadtmusikanten gemeinsam hat. Oder nicht.
Versuchen Sie mal, ein ehemaliges Labortier zu bekommen. Sagen wir mal, einen Hund. Einen B-E-A-G-L-E. Denken Sie an kleine, eingeschüchterte Hunde, die Ihnen mit dankbaren Augen entgegenblicken, sobald sie die hellrosa Pfötchen auf Ihren Wohnzimmerteppich setzen? Denken Sie an genügsame, anspruchslose Tiere, die sich den Rest ihres Lebens still darüber freuen, dass SIE sie gerettet haben? Das mit den rosa Pfötchen stimmt, meistens jedenfalls. Fliesen und glatter Beton fordern Hundepfoten nicht wirklich.*
Versuchen Sie mal, ehemalige Labortiere zu vermitteln. Das erste, was Sie hören, ist: “Was wurde denn an dem gemacht?” (Wissen wir, sagen es aber nicht.) Zweite Frage: “Wo kommt der Hund denn her?” (wissen wir auch, sagen wir nicht. Ist auch egal: Laborhund ist Laborhund. Freuen Sie sich einfach über diese Seele.) Dritte: “Wie, der kostet SO VIEL Schutzgebühr? Sie müssen doch froh sein, wenn Sie den loswerden!”
Nach diesem hocherfreulichen Gesprächseinstieg spricht die Vermittlerin über Vermittlungskriterien. Es kommt unweigerlich:
“Aber der Hund hat es doch überall besser als im Labor!”
Ähm, nö. Überall nicht.
Zum Beispiel nicht in einem Tierheim, wo der frisch entlassene Hund allein gelassen wird mit seinem akuten Akklimatisierungsproblem. Wo er sicherlich vermittelt wird, weil gerade ein Hype auf Beagles eingesetzt hat und man hinter jeder Beaglestirn erlittenes Grauen und riesige Traumata vermutet, und weil man gern mal selbst nachgucken möchte, was an dem Hund alles so dran ist an Spuren furchtbaren Erlebens, und wie der so tickt, nach dieser Hölle. Und auch, weil man gern Teil dieser “ich rettete einen Laborhund”-Crowd sein möchte, inclusive der schönen Geschichte, wie der kleine Hund mit dem traurigen Blick und t den riesigen weichen Ohren seine zarten rosa Pfötchen zum ersten Mal auf den Rasen gesetzt hat und...Vermittelt wird er dann an Leute, die sich ein bisschen informiert haben und “kein Problem” mit Jagdhunden haben, schon gar nicht mit den ängstlichen, die in diese Welt gefallen sind wie kleine dreifarbige Aliens, und nicht das Geringste von dem wissen, was nun an Ärger und Schrecken auf sie zukommt.
Der frisch entlassene Laborbeagle wird allem herausgerissen, das ihm bisher vertraut war. Alles ist neu: Tagesablauf, Fressen, Wetter, Haus, Menschen, KINDER, Autos, Geräusche, Kulisse, Treppe, Gegenstände, LEINE-HALSBAND-GESCHIRR, Berührungen, ständige Beobachtung, PIPI DRAUSSEN MACHEN, andere Hunde als die Beagle links und rechts neben einem.
Je nach Alter des Hundes potenziert sich das. Auch der verständnisvollste Mensch kann dem geretteten Hund keine Meute bieten und verliert eines Nachts um vier die Geduld, wenn die fünfte Pfütze aufgewischt werden muss. Und da glauben Sie, die Laborbeaglevermittler gäben den Hund überall hin und sind bereit zu jedem Kompromiss? Vierter Stock Innenstadt? Egal! Der Hund hat zwei Jahr im Zwinger gehockt, da ist so eine Menschenwohnung mit Handtuchbalkon doch der reine Luxus. Schlecht zu Fuß und sowieso nicht so der Naturfan? Egal! Der Hund saß ja bisher auch den ganzen Tag im Käfig, sieht man ja an den fehlenden Muskeln. Zehn Stunden an der Arbeit? Egal! Um die Hunde im Labor hat sich auch den ganzen Tag keiner gekümmert, nur zum Futterreinwerfen oder zum Quälen, also bitte, stellt euch mal nicht so elitär an, ihr Labortiervermittler. Kein Zaun ums Grundstück? Macht nix, der hat doch im Labor garantiert keinen Jagdtrieb entwickelt. Und liebt uns so sehr, dass er nicht abhaut. Soll froh sein, dass er da ist. In ein bestehendes Rudel aus 8 unterschiedlichen Tierschutzhunden? Egal! War doch vorher auch in Gruppen und hat sich behauptet. Zu Kleinkindern? Egal! Beagle sind doch Familienhunde, und das Beißen haben sie doch im Labor verlernt, sonst wären sie ja keine Laborhunde!
Hey.
Und dann gibt es noch die, die gar nicht gesund sind. Natürlich können Hunde nur in private Hände vermittelt werden, wenn sie gesund sind. Aber das sind die wenigsten. Was machen Sie als Labortiervermittler, wenn Ihnen Hunde mit Darmproblemen, mit Hautkrankheiten, mit Fehlstellungen, mit Nierenerkrankungen, mit Verhaltensauffälligkeiten, mit Folgeschäden angeboten werden? Freudestrahlend “hier!” schreien?
Echt?
Respekt.
Und Glückwunsch, zu Ihren offenbar unerschöpflichen finanziellen Reserven, denn wer für die Nachbehandlung aufkommt, ist ja wohl klar: Sie. Spaß kostet!
Allerdings haben diese Hunde in der Realität ja gar keine Chance auf Entlassung. Niemand könnte sie adäquat betreuen und versorgen. Es stimmt allerdings nicht, dass nur die Glückspilze vermittelt werden, die munter in den Kontrollgruppen gespielt haben, nur ein bisschen Beobachtung, mal Blutabnehmen: Die meisten waren schon “richtig” im Versuch. Manche haben Narben (nicht nur von Kastrationen) oder Augenprobleme, Zahnprobleme, Hefepilze, Zehen- oder Hodenfehlstand, anderes. Aber das wissen die Vermittler (und somit auch die späteren Übernehmer), niemand lässt einen darüber im Unklaren. Die Hunde werden trotzdem genauso alt wie Beagle anderer Herkunft. Aber wollen Sie nun einen retten oder nicht?
Ach ja, Tiere retten. Früher gab es “Aktivisten”, die in Labore einbrachen und die Tiere “gerettet” haben. Hmm. Die Tierärzte, die die Hunde weiterbehandeln sollten, haben die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Nachdem vor Jahren eine größere Hundehaltung aufgegeben wurde, stieg die Anzahl der überfahrenen Beagle plötzlich sprungartig an, und immer mehr Marshalls tauchten in Tierheimen auf - unvermittelbare Angsthunde, traumatisiert nicht nur durch ein Labor, sondern auch durch den eiskalten Kulturschock.
Laborhunde sind im (Zucht-)Institut geboren und aufgewachsen. Die Hundehaltung in Deutschland (!) ist tierheimähnlich: kein Hundeparadies, aber eine sichere Umgebung unter Artgenossen und mit ordentlicher Versorgung.
Ketzerei? Bitte lesen Sie meinen Text richtig: Nicht zutreffend ist all dies für
  • Hunde, die sich bereits in letal verlaufenden Versuchen befinden
  • Hunde, die in einem Institut außerhalb Deutschlands sind.
Erstere sind für uns verloren, und die zweite Variante ist per se so schrecklich, dass man es sich nicht vorstellen möchte.
*Wenn dann der Hund da ist, ist er manchmal ganz anders als erwartet. Renitent womöglich. Nicht dankbar. Noch nicht mal ängstlich! Es gibt Leute, die enttäuscht sind, wenn der Hund nicht die ersten drei Wochen verschreckt in der Ecke hockt.
Deswegen ist dieses Motto, frei nach den Bremer Stadtmusikanten, nicht 1:1 zutreffend. Und das ist auch der Grund, weshalb Labortiervermittlung leider nicht jeder kann.
Fragen? Gern. Schreibt mir.
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Irrtum Nr. 7: Die Laborhundevermittler sind schuld. Sollen sie halt ihre rückständigen “Kriterien” mal runterschrauben, die überheblichen Fatzkes.
Bejammert wird (zu Recht), dass so wenig Hunde freigegeben werden,
Für fehlende Freigaben von Tieren gibt es eine Vielzahl an möglichen Gründen. Es können nach unserer Erfahrung zumeist nicht alle Hunde freigegeben werden, egal, von welchem Institut und an wen auch immer. Freigegeben wurden in den letzten Jahren maximal 10 % der vorhandenen Hunde. “Maximal” heißt, dass es auch mal nur 5 % sein können. Oder weniger. Mehr als 10 % waren es, seitdem ich diese Hundeversuch-Sache verfolge seit 2004) noch nie.
Einer davon: Entlassen werden können Laborbeagle nur dann, wenn eine GEEIGNETE Organisation GEEIGNETE Plätze für diese Hunde hat. Nehmen wir an, beispielsweise der Laborbeaglehilfe würden 5 Beagle von irgendwoher angekündigt.
Dann ist es zwingend erforderlich, dass die Laborbeaglehilfe VOR dem vereinbarten Abholtermin mit Namen und Adressen belegen kann, WO diese 5 Tiere nach der Abholung hinkommen.
Kurz gesagt: keine Pflege- oder Endstellen = keine Entlassung möglich. Jetzt sind "5" leicht zu schaffen und nur ein beliebiges Beispiel. Vor ein paar Jahren hat die LBH auf einen Schlag 38 Beagle bekommen, mit einer Vorlaufzeit von 4 Wochen. Vielleicht kann man sich vorstellen, was für eine Herausforderung das ist. Pflegestellen sind deshalb so rar, weil die Leute die Hunde oft nicht mehr hergeben wollen und wir immer wieder sehr aufwändig neue suchen müssen. Pflegestellen müssen aber die gleichen Kriterien erfüllen wie Endstellen.
Nochmal: Man kann nur so viele (oder so wenige) Hunde annehmen, wie man garantierte Plätze hat. Wenn unterwegs eine Vermittlung aus irgendwelchen Gründen platzen sollte (Termin vergessen, krank geworden, Todesfall, Unfall, Haus abgebrannt, Konzertkarten gekriegt, Wasserschaden, keinen Bock mehr auf den Scheiß), nimmt der Fahrer den Hund erstmal MIT NACH HAUSE, bis eine andere Lösung gefunden ist und man wieder hunderte von Kilometern durchs Ländle reist. Es gibt aber bei den meisten Vereinen keinen einzigen Fahrer, auf dessen Sofa nicht schon mehrere eigene oder Pflegehunde warten würden. Verstehen Sie das Problem?
Als vor einiger Zeit woanders eine Hundehaltung geschlossen wurde, mussten von jetzt auf gleich sehr viele Beagle in mehreren Ländern untergebracht werden. Eine Menge Hunde überlebte den nächsten Tag nicht, weil die Kompetenz der Übernehmer stark zu wünschen übrig ließ. Wenn ich dann bei Facebook lese, dass man bei Transporten "in die Autos reinschauen" und "rein fotografieren" will, hinterherfahren möchte und die Boxen aus den Autos holen will, Drohnen aufsteigen lassen und den armen Fahrern “gern mal zeigen kann, wo’s lang geht”, geht mir der Hut hoch. Bei so viel kollektiver Dummheit, die noch nicht mal von den Admins sanktioniert wird, wundert es bei den Vereinen keinen, dass nicht mehr Freigaben möglich sind. Ich kann bereits von Berufs wegen den Volkszorn gut verstehen, kenne aber auch die andere Seite, und Sicherheit für die Hunde hat nun mal Priorität, besonders unter der Prämisse, dass die Übernehmer und Fahrer von Tierschutzvereinen zumeist nicht darauf gefasst sind, dass ihnen Auto und Haus gestürmt werden oder sie bei Wartezeiten auf Rastplätzen in Grund und Boden gebrüllt werden. Aus diesem Grund stehen manche Orgas Interessentenanfragen aus Norddeutschland derzeit sehr zurückhaltend gegenüber.
Verschwiegenheit ist der Preis für alle das. Selbst wenn einer der Vereine 50 Hunde übernähme - er könnte sich noch nicht mal damit in die Öffentlichkeit trauen. Nicht angeben, keine Fahnen schwenken, keine Lobeshymnen einheimsen, keine Werbung mit machen. Gar nix. Nur zusehen, wo noch ein Plätzchen für die vielen Hunde zu rektutieren ist: viel Arbeit, wenig Schulterklopfen, kein Lohn. Wenn Sie als Übernehmer nicht bereit sind, diesen Preis - Verschwiegenheit - mitzubezahlen, bekommen Sie keinen solchen Hund. Ihre Neugierde wird nicht befriedigt, und da brauchen Sie gar nicht mit Argumenten á la “ja aber der Tierarzt sieht doch....der will doch wissen....und wenn später mal was ist...” zu kommen. Den Hund kriegen Sie als weißes Blatt. Tut mir leid. Schwer zu ertragen, für manche. Wem dieser Preis also zu hoch ist, der geht bitte zum Züchter oder ins nächste Tierheim oder lässt sich über einen Hund von eBay Kleinanzeigen was vom Pferd erzählen. Da wissen Sie dann genauso viel oder wenig wie vom Laborhund, aber bei letzterem (Kleinanzeige, nicht das, was davor als Quelle stand) werden Sie wenigstens nicht strack belogen.
120 Laborbeagle unterzubringen, ist wegen der fehlenden Aufnahmemöglichkeit schwierig bis unmöglich und kostet viel Geld und Logistik. Beides haben Tierschutzvereine in der Regel nicht oder zumindest in nur begrenztem Maße. Deshalb wird ein Teil der Hunde sicherlich entlassen werden können, ein anderer Teil aber vermutlich nicht. Es ist auch nicht so, dass ein Verein reihenweise geeignete Übernehmer hätte, ob nun als Pflege- oder als Endstelle. Die Vereine haben noch nicht mal genug Personal und wissen manchmal beim besten Willen nicht, wie wir die erforderlichen Fahrten durchs ganze Land organisieren sollen. Das ist eben die Kehrseite von arroganter Heimlichtuerei.
Laborbeagle sind teuer, und sie gehören zum Kapital der Firma, die mit ihnen arbeitet, auch wenn das jetzt sicherlich wieder ein Satz ist, der einen auf die Barrikaden treibt. Die Vermittler tun, was sie können. Es ist jedoch nicht notwendig, die Neugier von Leuten zu befriedigen, die Labortiervermittlungen a) wegen einer irrig aufgefassten Meinung hassen, b) gar nicht aktiv helfen können, sondern nur virtuell auf den Putz hauen, und c) höchstwahrscheinlich zur Aufnahme eines Laborhundes in den eigenen Haushalt gar nicht in Frage kämen. Die Vorstellungen vieler Bewerber sind - nun ja - nicht realitätsgerecht.
Noch was unklar? Schreibt mir doch.
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Irrtum Nr. 8: “Ist das etwas so ein Laborhund?” Diese Frage hört man als Gassigänger mit Beagle häufiger. Und die Leute treten mitunter mit leicht irritiertem Blick ein Stück zurück und zerren ihre Hunde von meinen weg. Hm.
Laborhunde haben kein *normales* Hundeleben. Sie machen nicht die Erfahrungen, die ein *normaler* Hund macht. Sie wachsen anders auf. Sie kennen nur Beagles. Die Menschen, mit denen sie zu tun haben, gehen anders mit ihnen um, als Sie oder ich das tun würden. Die Hunde, die am Ende entlassen werden können, sind anders als *normale* Hunde. Manche mehr, manche weniger. Es gibt Hunde, die werden mit einem halben entlassen. Oder noch früher. Es gibt Hunde, die werde mit neun oder zehn Jahren entlassen. Oder später. Wie ist ein Hund drauf, der zehn Jahre in einer Hundehaltung lebte, in einem Tierversuchslabor? Nicht alle Hunde sind gleich. Natürlich spielt eine enorme Rolle, wie der Hund dort angefasst, gehalten, trainiert, motiviert, beruhigt, angesprochen wurde. Was ihm widerfahren ist, wozu er da war. Ob ihm weh getan wurde oder nicht. Mehr oder minder verstört sind die Hunde, wenn sie aus ihrer bisher bekannten Welt in unsere fallen: Alles ist neu. Tierschutz hilft Tieren, die keine guten Erfahrungen gemacht haben. Eines ist allen Tierschutzhunden gemein: Manche stecken das gut weg, andere weniger gut. Das Zauberwort heißt Resilienz. Manchen Hunden steht das “was kostet die Welt”- Gefühl direkt ins gesicht geschrieben, viele sind schon nach zwei Tagen offen für Neues. Andere brauchen zwei Wochen. Einige bleiben ihr Leben lang ängstlich und handscheu.
Über den Grad der Verstörung muss man also reden, bevor man einen Beagle aus dem Tierversuch aufnimmt. Jedoch sind Laborhunde weder “krank” noch “verseucht”. Beides würde eine Entlassung unmöglich machen. Es werden nur Hunde entlassen, die gesund sind.
Die Freigabe von Tieren mit ansteckenden Krankheiten, Parasiten oder anderen Umständen, die Menschen und/oder Tiere außerhalb der Forschungseinrichtung gefährdet, ist ausgeschlossen.
Die Lebenserwartung eines Laborbeagles ist genau so hoch wie die eines reinrassigen Beagles anderer Herkunft: ca. 15 Jahre, mit den entsprechenden statistischen Abweichungen nach oben und unten. Auch ein Laborbeagle kann mit 8 an einem unheilbaren Tumor erkranken. Aber auch Laborbeagle werden 18 und älter.
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Irrtum Nr. 9: Laborhunde haben’s gut - für die findet sich immer jemand, der sie vermitteln will. Um alle anderen Tiere - Katzen, Affen, Schweine, Nager usw. - schert sich keine Sau!
Es gibt in deutschen Tierschutzlaboren: Nager (Mäuse, Ratten, Hamster, Meerschweinchen, Gerbils), Fische, Vögel (Zebrafinken z.B.), Nacktmulle, Katzen, Schweine (auch Minischweine), Kühe, Schafe, Ziegen, Pferde, Affen. Und Hunde: Beagles, Mischlinge (“Mongrels”, FBIs), Labradore. Diese Aufzählung ist wertfrei - muss man ja heutzutage immer dazu sagen - und nicht vollständig.
Einige dieser Tiere sind sehr viel Geld wert. Alle diese Tiere werden extra für den Laborbedarf (ich möchte mich nicht schon wieder für die Wortwahl entschuldigen und kündige daher an, dass ich damit rechne, dass man Texte auch mal lesen kann, ohne sofort in Emotionen unterzugehen) gezüchtet*, weltweit, zu Hunderten, zu Tausenden, und was Mäuse und Ratten anbelangt: zu Millionen.
Einige dieser Tiere können nach ihrem Einsatz in private Hände vermittelt oder alternativ untergebracht werden, andere nicht. Manche Arten werden - Achtung, wieder ein unglaubliches Faktum - voroperiert, vorerkrankt, implantiert, kahl, infiziert oder als Hybrid gezüchtet und an die Labore verkauft. Es versteht sich von selbst, dass die Abgabe solcher Tiere in unsere Gesellschaft nicht möglich ist.
Abgegeben werden können unter bestimmten Umständen: Katzen, Hunde, eventuell Kaninchen. Gelegentlich auch kleinere Nager. Tiere also, die in Mitteleuropa gemeinhin als Haustiere gehalten werden können. Bei den Minischweinen wird es schon sehr schwierig.
Ein Wort zu Laboraffen: Affen sind faszinierend, hochintelligent und exotisch - Affen sind Wildtiere. (Dass Affen in einem Labor genauso wenig zu suchen haben wie englische Jagdhunde oder deutsche Hauskatzen, brauchen wir jetzt nicht nochmal aufs Tapet zu bringen). Affenhaltung in Privathaushalten ist keine gute Idee. Nicht nur deshalb, weil Affen Gesellschaftstiere sind. Eine Haltung in Zoos, Auffangstationen und dergleichen wäre sicher schön, ist “in echt” jedoch völlig unwahrscheinlich. Aber googlen Sie selbst. Die Affen auszuwildern, ist unrealistisch. Wer die Befreiung von Laboraffen fordert, hat leider gar keinen Durchblick (und ähnelt somit jenen Träumern, die stückzahlweise Mäuse und Ratten retten wollen). Affen sind somit die großen Verlierer in jeglichem Rehoming-Projekt.
Es gibt Tierschutzorganisationen, die sich nur um bestimmte Tiere kümmern können, andere wiederum vermitteln Tiere verschiedener Familien, Gattungen und Arten. Manche Orgas vermitteln deutschlandweit und sogar in angrenzende EU-Staaten, andere nur regional. All dies ist eine Frage des vorhandenen Personals, der vorhandenen Kontakte und des vorhandenen Kapitals.
*Ausnahme: landwirtschaftliche Nutztiere und Fische (Ankauf über bestimmte, externe Züchter).
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Irrtum Nr. 10: Wenn zu ist, ist zu.
(Text folgt).
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So, das war’s fürs Erste. Wird bei Bedarf ergänzt. Danke allen, die mitgeholfen haben! Auch mitmachen? Gern! Was fällt euch noch ein? Was wollt ihr wissen?
Verantwortlich für den Inhalt dieser Serie: ich, Megan McGary. Ich würde gern mit weiteren, ehemaligen und aktiven Labormitarbeitern, Tierpflegern, Ärzten, Transporteuren, Tierschützern vor Ort, Aktivisten, Journalisten, Demonstranten, Anwohnern, Polizisten, Tierschutzbeauftragten usw. sprechen, um in respektvoller Weise deren Sicht auf die Dinge zu zeigen.
Mein Buch über die Hunde in den Instituten und das ganze Drumherum erscheint am 23.4.2021.
Falls jemand zum Thema “Zahlen” was ganz genau wissen will (und bitte jetzt keine Verschwörungstheorien von wegen “gefälscht” und “geschönt” und ähnlicher Bockmist): *https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierschutz/_texte/Versuchstierzahlen2017.html

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