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Wie man sich mit seinem Buch am schnellsten disqualifiziert- die Top 10

Eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen ist es, in Buchläden zu stöbern – online und stationär. Im stationären Buchhandel trifft man zumeist auf eine ordentliche Verlagsauswahl, online sind die Selfpublisher* meine liebsten Objekte. Bemerkenswertes gibt es überall … Gutes und Schlechtes. Wir fangen mal mit den No-Gos an
  1. Cover: Das Cover ist die Visitenkarte des Buches = der erste Eindruck. Wenn der aus irgendeinem Grunde danebengeht, war’s das leider. Cover, denen man das „do it yourself“ auf zehn Meter gegen den Wind ansieht (Photoshop, Gimp, Canva etc. macht‘s ja möglich) erinnern an die Kinderstube des Selfpublishing und schrecken sofort ab. Hässliche Fratzen und blutige/verletzte Figuren erinnern mich an Chucky, die Mörderpuppe. Schnell Finger weg von sowas! Ich kann sie nicht mehr sehen. ich kann sie nicht mehr sehen, die hässlichen Cover die mit Hilfe kostenfreier Photoshop-/Gimp-/ Canva-Versionen oder unprofessionellen Gimmicks entstanden sind.  An so einem Roman arbeitet man ein Jahr, wenn nicht länger. Es ist jede Menge Herzblut hineingeflossen, man hat eine Botschaft. Man denkt an nichts anderes, und man geht quasi mit seinen Figuren ins Bett. So viel Arbeit sollte dann auchvon einem besonders schönen Cover gekrönt werden, so, wie ein besonders schöner Rahmen ein wundervolles Bild adelt.

     

    Klar, es gibt Leute, die mit kostenlosen Programmen traumhaft schöne Titel zaubern können. Aber es ist wie mit dem Schreiben: 90 % können es nicht. Merke: Cover bitte nicht selber machen. Bitte, bitte nicht (es sei denn, man ist Grafiker).
  2. Umfang: weniger als 350 Seiten für einen Roman? Was soll das sein? Warum sollte ich sowas kaufen, da bin ich ja an einem Abend mit durch? Oder etwa schon wieder Chick-Lit? Oh Gott.

    Die gute Nachricht: Der schräge Stoff ist kurz. 150 Seiten, 180, 200. Wusste gar nicht, dass es so kurze Bücher gibt, außer es steht Pixi drauf... 

  3. Klappentext: zu lang (mehr als 100 Wörter). Zu schwafelig. Zu viele Ellipsen. Zuviel Personal (mehr als drei). Zu viele Fragezeichen. Och nö.
  4. Thema/Genre: Ich lese (fast) jedes Genre. Aber keinen Genre-Mix. Dinge wie „Historische dark Romance-Fantasy mit Krimianteilen und einer Menge Erotik“ sind so, wie es klingt: unausgewogenes, entscheidungsschwaches Durcheinander.

     Manche erfinden auch flugs neue Genres (ja, wenn‘s halt nicht passt! Immer dieses Schubladendenken!) Philosophiestudenten sind dabei klar im Vorteil. Fehlt der passende Begriff, lehne man sich schon mal gern an andere Disziplinen an: der Bildenden Kunst etwa, der Wissenschaft ("Konstruktivismus") oder dem Film. Filmgenres entsprechen nicht unbedingt denen in der Literatur, aber wen kümmert's, torture porn klingt einfach so schön schmissig. Genres unterliegen übrigens einer gewissen Klassifikation und beinhalten bestimmte Merkmale.

  5. Autorenvita: sobald hier das Wort „Kindheit“ (wahlweise: „schon immer“) auftaucht und sich dies auf die Schreiberfahrung des „Autors“ bezieht, lege ich das Buch weg bzw. klicke auf „beenden“. Merke: Ein Autorendasein von Kindesbeinen an ist noch kein Beleg für Güte.
  6. Buchbeschreibung: die Phrase „abseits vom Mainstream“ bedeutet im Klartext: Stoff, der keinen Menschen interessiert. Krude Themen, über die man beweislos labern kann. In diesem Zusammenhang: Keywords. Tauchen bestimmte Begriffe in Klappentext oder Buchbeschreibung auf, wenden wir uns mit Grausen ab. Vampir ist so ein Wort. Spitzenreiter hier: “CEO”. “Und Milliardär”. Never, never, never.
  7. Die ersten Seiten: Jeder macht Fehler. Sogar renommierten Lektoren und Korrektoren rutscht mal was durch. Aber nicht auf den ersten Seiten.
  8. Inhalt: a) Autobiografisches. Wer will denn Geschichten aus dem Leben der Nachbarin lesen? Gähn. Wer will denn eine Lebensbeichte aus dem Drogenmilieu/der Psychiatrie/dem Straßenstrich/von den Fluren der Sozial-, Jugend- oder Arbeitsämter? Das hat mich schon bei Christiane F. nicht interessiert. Deprimierendes Herumjammern geht gar nicht! b) Sex. Es gibt Autoren, die wunderbare Sex- und Erotikszenen schreiben. Es gibt Autoren, die das, was sie schreiben, für sexy und erotisch halten. Das ist aber nicht so.Und dann gibt’s Autoren, die im Fahrwasser bestimmter Veröffentlichungen einfach eine gewisse Nachfrage bedienen. Okay. Darüber habe ich mich aber an anderer Stelle schon ausführlich ausgelassen. c) Handwerkliches: zu viele Adjektive und Adverbien sind des Textes Tod. Wann wird sich diese Erkenntnis durchsetzen?
  9. Rezensionen: überschwängliche Bewertungen, wahre Sternhaufen, aber davon weniger als zehn Stück? Obacht, Leser. Hier haben garantiert Freund und Familie mitgewirkt. Moment, nicht gleich plärren: jedes Buch hat einmal angefangen. Aber wer Ahnung hat, weiß zu beurteilen, was wann wie entstanden sein dürfte.
  10. Preis: ein E-Book für 99 Cent? Nur als kurzfristige Aktion. Für zwei Wochen oder so. Zur Einführung. Als Werbung. Danach ist alles unter 5 € (für mich & meine Arbeit & die der Lektorin, Coverdesignerin ...) auf Dauer inakzeptabel. Handwerk hat seinen Preis. Billigere Bücher sind meist genau das: billig. Für kostenlos gilt das gleiche. Okay, 4,99 € ist auch in Ordnung
MegMcGary, 12/2018
Wenn jemand über das Foto meckern möchte: War auf einem Werbeumschlag von Foodspring. Ich mag Foodspring und habe brav nachgefragt. Deshalb ist das Logo mit drauf. Alles klar?
*P.S.: Ich bin Selfpublisher. Aus Überzeugung. Aber Bücher, die schlecht gemacht sind, vor Fehlern strotzen, und zudem noch unschön aussehen, sind eine Frechheit. Dem Leser gegenüber, von dem man dafür Geld haben möchte.

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