Diesen Artikel finden Sie in voller Länge im "Beagle-Geschichten-Buch".

Im "Pflegestellen-Buch" sind wir in einer kürzeren Form auf die Problematik entwischter Hunde eingegangen. 

Wenn der Hund weg ist, liegen die Nerven blank. Bitte lesen Sie die nachfolgenden Tipps nicht erst in einer Ausnahmesituation.

 

 

Weltweit leben schätzungsweise 500 Millionen Haushunde,  von denen etwa 75 Prozent freilebend sind. Die meisten dieser Hunde kommen auch fernab irgendwelcher Hundehalter gut zurecht. Bei Hunden, die frisch aus einer völlig anderen Umgebung (=Labor, Tierheim, Vermehrer etc) entlassen worden sind, sieht die Sache mit der Umwelt ganz anders aus. Natürlich geht es hier um Beagle, aber die Vorschläge, was man tun kann, um einen entlaufenen Hund wieder zu bekommen, gelten auch für jede andere Rasse.

 

Beagle sind etwas Besonderes, davon sind wir fest überzeugt. Soll heißen: Beagle sind nicht wie andere Hunde. Beagle folgen einer eigenen Stimme. Auch Laborbeagle sind Beagle.  

Mit unzähligen Hunden kann man locker durch die Welt spazieren, ohne Leine, ohne dass es ihnen jemals einfiele, sich länger als ein paar Minuten von uns zu entfernen. Notfalls ruft man den Hund eben wieder zu sich, und das entspannte Flanieren kann fortgesetzt werden. 

Erster Rat also: benutzen Sie eine Leine. 

Es gibt Beagle, die ohne Leine gehen dürfen und sich auch gut zu benehmen wissen. Die Regel ist das nicht. Der „normale“ Beagle wird die Millisekunde abpassen, in der Sie woanders hingucken, und geht stiften. Das geht übrigens auch mit Leine, was dann zu richtig großen Problemen führen kann – eine hinter dem Hund her polternde Flexileine mit Gehäuse löst bei dem Hund Todesangst aus, und er wird buchstäblich keinen klaren Gedanken fassen können;  meterlange Schleppleinen wickeln sich um Bäume. 

 

Beagle entlaufen auch aus dem gesicherten Grundstück. 

Sie springen über den Zaun, oder graben sich untendrunter durch. Warum? Weil sie es können. Und weil sie ausreichend Zeit und Gelegenheit dazu hatten. Oder sie entwischen aus der zehn Zentimeter weit geöffneten Tür, dem offenen Fenster, nutzen den winzigen Moment, wo die Leine noch nicht am Geschirr ist, oder sie erschrecken sich und flutschen durch Ihre Hände - dann ist es leider meist Ihr eigenes Verschulden, nicht das des Beagle. 

Für diese Momente ist dieser Text gedacht, bitte also vor dem Fall des Falles lesen und die Lücken füllen – wenn es erst so weit ist,  haben Sie keine Zeit mehr dazu. 

Vorbeugung: 

Alle seriösen Tierschutzvereine geben sich die größte Mühe, den neuen Hundebesitzer hinsichtlich der Sicherung ihres Hundes genau aufzuklären und für die kritischen Situationen zu sensibilisieren. Neu-Beaglebesitzern muss leider häufig besonders detailliert klargemacht werden, dass der Jagdhund Beagle (und erst recht der völlig umweltunerfahrene Labor-Beagle) sich von vielen anderen Hunderassen stark unterscheidet.  

 

Wenn Sie einen Hund außerhalb Ihres Hauses übernehmen – was bei der Laborbeaglehilfe normalerweise nicht vorkommt – beherzigen Sie die folgende, wichtigste Regel: keine Übergabe außerhalb der Box. Will heißen: der neue Hund wird erst aus der Box gelassen, wenn diese in einem geschlossenen Raum steht. 

Achten Sie auf Ihren Hund, beobachten Sie ihn. Lernen Sie Ihren Hund zu „lesen“. Schauen Sie genau hin: wohin geht sein Blick? Es könnte sein, dass er sich so an Ihnen orientiert, dass er immer hinter Ihnen steht. Vergewissern Sie sich vor dem Öffnen einer Tür, wo sich Ihr Hund befindet. Es könnte sein, dass er im nächsten Moment durchstartet – durch die einen Spalt breit geöffnete Haus- oder Gartentür, im Wald dem Reh hinterher, im Garten der Nachbarskatze. Beagle können rennen wie der Teufel, und auch springen können sie.  Angst, Panik oder Jagdtrieb verleihen die sprichwörtlichen Flügel. Idealerweise installiert man eine Schleuse – Zimmertür zu, erst dann Haustür auf, und umgekehrt. 

 

Lassen Sie Ihren Hund nicht unbeaufsichtigt im Garten – es sei denn, Sie sind wirklich sicher, dass Ihr Zaun dicht (=keine Schlupflöcher, untergrabesicher, keine „Brücken“) und auch hoch genug ist. Grundstücke ohne Zaun sind möglich, verlangen Hund und Halter aber eine Menge Disziplin ab. 

Freilauf ist mit einem (Labor-) Beagle nur in wenigen Fällen machbar, und auch nur dann, wenn eine gute Bindung zu Ihnen besteht.  

In der ersten Zeit läuft er Ihnen bestenfalls  hinterher, weil er sich an Ihnen oder Ihrem Ersthund orientiert.  Mit Vertrauen oder Bindung hat das im ersten Vierteljahr Ihrer beider Bekanntschaft nichts zu tun. Wahrscheinlicher ist ohnehin, dass Ihr Neuzugang alles andere tut, als Ihnen auch noch brav zu folgen – es ist ihm zu fremd.  

Läufige Hündinnen müssen grundsätzlich angeleint geführt werden, besonders die, bei denen Sie ein Zuchtverbot unterschrieben haben: Laborbeagle. 

 

Machen Sie sich bewusst, wie Ihr Hund Ihr Auto verlässt. Tür oder Kofferraum wird geöffnet. Bleibt Ihr Hund (idealerweise in einer Box oder mit Leine gesichert) sitzen? Oder springt er sofort los? 

Achten Sie auf das Wetter. Ihr Laborbeagle hat vermutlich noch keinen heftigen Regenguß und erst recht kein Gewitter erlebt. Beides könnte ihn so erschrecken, dass er sich Ihnen blitzartig entzieht.  

Gleiches gilt für Jagdgebiete, bestimmte Sportarten (Fußballplätze, lautes Geschrei, schnell herannahende bzw. entgegenkommende Objekte und Personen) und allgemein alles, was zu plötzlichen lauten Geräuschen führt. 

 

Etablieren Sie ein Rückrufsignal. 

Nutzen Sie die Hundepfeife. Wie sinnvoll das Beherrschen des  Kommandos „gib Laut“ ist, wissen Sie spätestens in dem Moment, wo Ihr Beagle mit der Schleppleine im dichten Bewuchs verschwunden ist.  

Beagle haben die häufige Eigenart, entweder laut spurend durch den Wald zu rennen – oder aber mit der Nase am Boden, völlig versunken, Meter um Meter abzuschnüffeln. Manche sitzen auch gerne beobachtend in der Gegend herum. In allen Fällen sind die Ohren auf Durchzug gestellt und lange Zeit taub für Ihre Rufe. Überhaupt: rufen Sie nicht so oft seinen Namen: der Hund kommt nicht unbedingt, aber  es tritt eine (in dieser Hinsicht unerwünschte) Gewöhnung ein.  

 

Panisches Gebrüll und die dem ängstlichen Menschen eigene hysterische Tonlage wird den Hund eher von Ihnen fernhalten – Sie machen ihm in dieser Gemütslage leider (noch mehr) Angst. 

Auch ein mit 5 Jahren aus dem Labor entlassener Beagle kann plötzlich anhand einer leckeren Wildspur erkennen, dass er im Grunde seines Herzens schon immer ein passionierter und außerordentlich begabter Jäger war. Beagle haben kurze Beine? Lügen auch! Machen Sie sich nichts vor! Sie werden Ihren Augen nicht trauen, wie schnell der frisch outgesourcte Laborhund, dessen dicke Pfoten eben erst ihre Premiere auf grünem Gras erlebt haben, auf einmal zielstrebig rennen kann. 

 

Essentiell ist: Ihr Hund trägt einen Chip und ist auch beim Tasso-Haustierregister registriert. 

Viele Leute glauben, mit dem Setzen eines Transponderchips erfolgt die Registrierung automatisch. Das ist nicht der Fall!  

Von uns (= "uns" ist immer: die Laborbeagelhilfe e.V.) vermittelte Hunde werden auch von uns bei Tasso angemeldet. Bei Hunden aus anderen Quellen müssen Sie das selbst tun. Nach der Registrierung erhalten Sie einen schriftlichen Nachweis darüber. Übernehmen Sie die dort vermerkten Daten in Ihr Smartphone und in die Liste am Ende dieses Kapitels, dann haben Sie alles Wichtige schnell zur Hand. Überprüfen Sie die bei Tasso (oder einem anderen Haustierregister) hinterlegten Daten von Zeit zu Zeit. Insbesondere nach Umzügen wird Ihre aktuelle Adresse sonst eventuell schwer zu finden sein. 

Ihr Hund trägt Ihre Adresse und seine Tasso-Nr. irgendwo bei sich (wichtiger als klappernde Steuermarken, die man entgegen landläufiger Meinung nicht sichtbar am Hund haben muss, ist ein Adressschild).  

Anhand der Steuermarke kann der Hund nur zu den Bürozeiten der betreffenden Gemeinde identifiziert werden. 

 

Ganz banal: tragen Sie beim Spaziergang mit Beagle festes Schuhwerk. 

Manchmal trifft man Menschen, die in zarten Riemchensandaletten oder Plastiklatschen ihre Hunde ausführen. Denen ist eindeutig noch kein Beagle durchgegangen!   Und da wir schon beim Einkaufen sind: investieren Sie  in Handschuhe! Rauscht Ihnen einmal die Schleppleine  durch die Hand, wissen Sie, warum. Kaufen Sie gute, reißfeste Leinen, Geschirre etc. Verzichten Sie - bitte, bitte! - auf Flexi- oder Rollleinen.  

Schleppleinen vergrößern den Radius Ihres Beagle und sind eine sinnvolle Anschaffung, vorzugsweise aus Biothane und in gut sichtbaren Farben. 

 

Ein Tipp, der Ihnen so überflüssig erscheinen mag wie ein Kropf: 

Halten Sie Ihr Ende der Leine FEST!,  so dass Sie es auch dann noch sicher in der Hand haben, wenn Ihr Beagle aus Schreck, plötzlichem  Interesse oder sonst irgendeinem Grund woanders hin will, als Sie.  

Schleppleinen sind zwingend in Kombination mit einem Brustgeschirr zu verwenden, niemals mit einem Halsband (schwerwiegende Verletzungen an der Halswirbelsäule können entstehen, wenn der Beagle mit der Beschleunigung eines Rennwagens in zehn oder mehr Meter Leine rauscht. Falls Sie die Leine dann noch halten können).  

Verzichten Sie bitte auf Schleppleinen, die aus dünner Kordel bestehen. Bitte vermeiden Sie generell Schleppleinen ohne Handschlaufe. 

Halten Sie sich bitte unbedingt an unsere Empfehlung, den frisch erworbenen Beagle stets doppelt zu sichern.  

Bei ängstlichen Hunden oder solchen, die sich aus dem Geschirr winden, empfehlen wir die Anschaffung eines Sicherheitsgeschirrs.  

Investieren Sie in etwas, das leuchtet (z.B. „Leuchtie“ – kein ganz billiges nehmen, sonst machen die Batterien zu schnell schlapp). 

 

Vermeiden Sie Ablenkungen beim Spaziergang. Viele Beagle merken sofort, wenn ihr Leinenende sich anderweitig beschäftigt. Sie scannen ihr Umfeld, und dann genügt ein kurzer Moment, vielleicht ein kräftiger Ruck an der Leine – und der Beagle jauchzt davon, mit fliegenden Ohren und leider allzu oft auch schleifender Leine. 

Dann stehen Sie da, sind fassungslos, panisch, ratlos, wahrscheinlich rennen Sie laut schreiend hinter Ihrem Hund her.  Ein sinnloses Unterfangen – sparen Sie Ihren Atem, schonen Sie Ihre Nerven. 

Beagle sind Jagdhunde, deren Aufgabe es war bzw. ist, selbstständig dem Wild zu folgen und seinen Weg anzuzeigen.  

Die Aufgabe lautete nicht: stell das Wild und futtere es auf. Beagle sind schnell, bewegungsfreudig und stur. Sie lassen sich nur ungern von ihrem Ziel abbringen. Wenn sich Ihr Beagle unterwegs verletzen sollte, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach trotzdem weiter laufen, solange es geht. Beagle, die (noch) nicht jagen, aber aus Angst oder Panik vor etwas flüchten, verhalten sich ähnlich. Sie verstecken sich vermutlich nicht, sondern laufen, was das Zeug hält.  

Auf diese Weise können weite Strecken zurückgelegt werden. Aus Angst flüchtende Beagle kümmern sich allerdings höchstwahrscheinlich nicht um kreuzendes Wild, Katzen oder sonstiges. Sie legen eine relativ lineare Strecke zurück im Bestreben, möglichst viel Raum zwischen den Angstauslöser und sich selbst zu bringen und lassen sich davon nicht ablenken.  Hierbei ist „linear“ wörtlich gemeint: die Hunde rennen querfeldein - über Straßen, Bahnlinien und durch dichten Bewuchs.  

Jagende Beagle folgen den Wildspuren und rennen quasi im Zickzack und in großen Runden durch Wald und Feld. Wild bleibt in seinem Revier (das sehr umfangreich sein kann), quert aber bekanntlich auch Straßen. Hierdurch und durch das Risiko, einem allzu hegebewussten Jäger zu begegnen, ergibt sich die größte Gefahr. Abgesehen davon ist auch manches Wild sehr wehrhaft (Bachen, Keiler). 

Ab und zu können Sie Ihren Beagle anhand seines Spurlautes lokalisieren, was gut ist. Einfangen werden Sie ihn vermutlich erst können, wenn er im wahrsten Sinne des Wortes „fertig“ ist, oder wenn es Ihnen gelingen sollte, ihm schlicht den Weg abzuschneiden. 

 

Egal, warum Ihr Beagle rennt – seine Wahrnehmung ist jetzt leider nicht so, wie sie nach Menschenmeinung sein sollte:  

Er ist völlig in seiner Welt und besteht nur noch aus tiefer Nase, Pfoten und Trieb (welcher, ist egal. Die Auswirkung ist dieselbe, unwichtig, ob es um Jagd, Sex oder Flucht geht). Ihr Hund kann Sie in dieser Verfassung nicht hören, und es ist ihm auch schnuppe, ob er sich in Gefahr befindet bzw. begibt. 

Irgendwann wird ihm aber die Kraft ausgehen, er wird (hoffentlich) langsam wieder den Heimweg antreten – was durchaus auch einem neuen und ängstlichen Hund gelingen kann –, oder er wird  sich einen Unterschlupf suchen.  

Beruhigen Sie sich, auch wenn es schwer fällt. 

In den allermeisten Fällen funktionieren die Instinkte, sogar bei Laborhunden. Die allermeisten Ausflüge gehen glimpflich zu Ende, mit wehen Pfoten und vielleicht ein paar Schrammen, aber in der Regel kehrt der Beagle wieder gesund nach Hause. 

Dennoch kann sich kaum jemand entspannt auf die Couch legen, bevor der Hund wieder da ist, denn leider gibt es auch die anderen Fälle:  verunglückte, gefangene (hängengebliebene Leine!), verletzte, unterschlagene Hunde.  Sie haben nun reichlich zu tun. Nutzen Sie die Wartezeit, Ihre Liste abzuarbeiten und Vorbereitungen zu treffen für den Fall, dass Ihr Beagle zu den wenigen Prozent gehört, die nicht aus eigenem Antrieb wieder nach Hause finden können. 

 

Machen Sie sich Gedanken über: 

 

….den Ort des Verschwindens: 

Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob Ihr Beagle in einer Großstadt oder im ländlichen Bereich entlaufen ist. Infrastruktur, Besiedelung und Gefahren sind anders. Davon (sowie vom Zustand des Hundes und von seiner „Ausrüstung“) ist es abhängig, in welchen Zeitraum Sie anfangen sollten, zu handeln. 

Ist Ihr Beagle nahe Ihres Zuhauses entlaufen, oder waren Sie an einem anderen Ort spazieren? Dies hat großen Einfluss auf spätere Suchmaßnahmen sowie den Umfang der zu verständigenden Personen. 

 

….den Grund des Verschwindens: 

Ein weiterer beträchtlicher Unterschied ergibt sich daraus, ob Ihr Hund seiner Jagdleidenschaft anhand einer Wild- oder auch Katzenspur folgt, oder ob ein ängstlicher Hund (ohne oder mit erst kurz bestehender Beziehung zu Ihnen) geflüchtet ist. Es gibt auch Hunde, die nutzen einfach jegliche offene Tür, um stiften zu gehen – aus Neugier, aus Langeweile, aus Fortpflanzungstrieb (läufige Hündin, potenter Rüde). 

Allen möglichen Motiven gemeinsam ist, dass Sie unbedingt Ruhe bewahren müssen (wir wissen aus eigener Erfahrung sehr gut, wie schwierig dies ist!), aber auch, dass die Situation nicht hinnehmbar ist – der Hund muss wieder in Ihre Obhut, und bitte baldigst. 

Hunger, Erschöpfung oder eine Verletzung werden ihn schon nach Hause treiben? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wie lange ist „zu lang“ beim Abwarten? Besser:  Laufen Sie! Seien Sie präsent. Sie werden Ihren Hund sehen oder hören. Sie haben das gute Gefühl, etwas zu tun. Nehmen Sie sich ein oder zwei vertraute Personen (dem Hund vertraute Personen!), das verschafft Ihnen die Möglichkeit, an mehreren Orten gleichzeitig nachschauen zu können. Vernetzen Sie sich über das Handy, aber vermeiden Sie ein ständig klingelndes Telefon.  

 

….den Zeitraum des Verschwindens: 

 

< 1 Stunde: 

bleiben Sie ruhig. Hunde, besonders Jagdhunde, laufen häufig auf ihrer eigenen Spur zum Ort des Entlaufens zurück (sinnvoll ist es durchaus, dies zu üben!). 

Bleiben Sie nach Möglichkeit also vor Ort, warten Sie. Wo ist Ihr Auto? Eventuell läuft Ihr Hund zum geparkten Auto zurück und wartet dort auf Sie.  

Wie lange Sie vor Ort bleiben können und sollen, ist eine Einzelfallentscheidung. Die Autorin dieses Textes hat als Maximalwartezeit  eine komplette , sehr kühle und feuchte Herbstnacht am Waldrand verbracht, bis der Herr Beagle im Morgennebel von seinem Jagdausflug zurückzukehren beliebte. 

Legen Sie bei Verlassen des Ortes ein Kleidungsstück (Jacke, Pullover) dort ab. 

Im Nahbereich Ihres Hauses läuft Ihr Hund wahrscheinlich dorthin zurück.  

Stellen Sie sicher, dass er nicht ausgesperrt ist – Hof-, Gartentür öffnen. Fenster auf, lauschen! Zuhause verbliebene Personen sensibilisieren. 

Hunde bewegen sich häufig auf vertrauten Wegen und suchen nach einiger Zeit Plätze auf, die ihnen bekannt sind – wenn Sie z.B. auf immer denselben Parkplätzen parken und die gleichen Wanderrouten nehmen, ist es möglich, dass Ihr Beagle dort nachschaut.  

Es hat sich bewährt, mit dem Hund (an der Leine und in positiver Stimmung) alle nach Hause führenden Wege abzulaufen (sternförmig, sozusagen). So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er wirklich aus eigener Kraft zuhause wieder eintrudelt.  

Nach Möglichkeit überqueren Sie dabei Straßen und andere Gefahrstellen an der sichersten Möglichkeit – Ampeln, Überwege, achten Sie auf gute Beleuchtung (Straßenlaternen).  

Glauben Sie nicht, Beagle könnten Gewässer nicht überwinden.  Man hat schon „eigentlich“ wasserscheue Beagle (inclusive Schleppleine) Flüsse überqueren sehen, wenn nur die Motivation groß genug war.  

Eine besondere Gefahrensituation ergibt sich im Winter: Hunde können unter Eisflächen (Ufereis, unvollständig zugefrorene Gewässer – auch Gartenteiche! ) geraten, und dann entscheiden Sekunden über das Weiterleben. 

Lauschen Sie: Beagle sind spurlaut! Eventuell lässt sich Ihr Hund akustisch orten. 

Wenn Sie ihn sehen und er reagiert: Locken Sie Ihren Hund an. Verwenden Sie dazu freundliche Rufe, eine Hundepfeife, eine Futterschüssel (bitte nur im vertrauten Revier). 

Wenn Sie ihn sehen und er nicht reagiert: notieren Sie Ort und Uhrzeit und – warten Sie auf die nächste Gelegenheit/Sichtmeldung. 

 

Zeitraum des Verschwindens mehrere Stunden:

Telefonieren Sie Ihre vorbereiteten Notfallliste ab. 

- TASSO Haustierregister verständigen

- Polizei anrufen: die Polizei wird die Augen nach Ihrem Hund offenhalten, Ihrem Anliegen aber vermutlich nur dann höchste Priorität einräumen können, wenn es der Dienstbetrieb erlaubt oder Ihr Tier im Bereich viel befahrener Straßen unterwegs ist. Über einen Unfall mit Tierbeteiligung weiß die Polizei i.d.R. sofort Bescheid. Wichtig: informieren Sie statt des häufig überregionalen Notrufes (110) besser Ihre örtlich zuständige(n) Polizei-Dienststellen. - Jäger, Jagdpächter oder Forstamt verständigen

- Tierheime verständigen

- Tierärzte und Kliniken, Straßen-/Autobahnmeisterei, regionaler Rundfunk. - Stellen Sie Flyer her. Bitte verschwenden Sie keine Zeit mit eigenen Entwürfen: es gibt sinnvoll gestaltete Vordrucke im Internet, die Sie nur noch herunterladen, ausfüllen und ausdrucken müssen (z.B. bei www.tasso.net). Aus dem Plakat solle hervorgehen: aktuelles Foto des Tieres, Ihre Rufnummern, Ortsangabe des Entlaufens. Weisen Sie zudem darauf hin, ob Ihr Hund ängstlich ist, ob er sich einfangen lässt oder eher noch mehr in Panik gerät.

- Achtung beim Verteilen: wildes Plakatieren ist verboten, in diesem Fall würden Ihre Zettel schnell wieder entfernt. Holen Sie die Erlaubnis der zuständigen Behörden, Praxen und Ladenbesitzer ein.

- Suchen Sie sich sinnvolle Orte für Ihre Flyer und machen Sie sich vorher eine Liste mit den besten Plätzen zum Aufhängen Ihrer Plakate in Ihrer Region. Beispiele: Geschäfte (Supermärkte, Kiosk, Bäcker, Metzger, Zoofachgeschäfte, Tankstellen, Post, Bank), Bushaltestellen, Stadt-/Gemeindeverwaltung, Tierheim. Aber auch Treffpunkte bei Wanderwegen, Ausflugszielen, Parkplätze. Ob man Aushänge bei Schulen machen sollte, ist zu überlegen

– Kinder könnten sich zur Eigeniniative veranlasst sehen, was nicht immer von Nutzen ist.

- Dokumentieren Sie Ihre Suchplakat-Verteilung sowie eingehende Sichtmeldungen (z.B. mittels GoogleMaps). - Sind Sie kürzlich umgezogen? Ihr Hund könnte in die alte Heimat laufen.

- Fragen Sie bei allen Institutionen (Polizei, Tierheime) täglich (Schicht-, Personalwechsel, Zettel verlegt, andere Prioritäten….) nach oder fahren Sie direkt hin.

- Nutzen Sie soziale Netzwerke (Facebook). Es ist sinnvoll, möglichst vielen Menschen ihr Anliegen mitzuteilen. Allerdings ist es unnötig, wenn Ihre Suchanzeige in Orten geteilt werden, die 500 km weit weg sind.

- Beschränken Sie sich auf die reine Information. Beschäftigen Sie sich nicht mit Shitstorms oder der –zigsten Nachfrage, die schon beantwortet ist. Es gibt Plattformen, die sich speziell mit entlaufenen Hunden befassen

– bitte machen Sie sich vor dem „Fall der Fälle“ damit vertraut (z.B. www.beagle-in-not.de, spezielle Gruppen und Suchdienste auf Facebook). Verzichten Sie auf die Angabe Ihrer privaten Telefonnummer im Netz (besser: Tasso-Kontakt angeben). Sie beugen auf diese Weise betrügerischen Handlungen vor.

- Hinterlassen Sie bei allen durch Sie informierten Stellen immer eine Rückrufnummer und stellen Sie sicher, dass auch jemand ans Telefon gehen kann, wenn es denn klingelt.

- Bedenken Sie, dass die einzelnen Institutionen nicht miteinander vernetzt sind – Sie werden Fragen daher häufig mehrfach beantworten und Informationen häufig mehrfach bereitstellen müssen.

- Informieren Sie Ihre Nachbarn (vielleicht können Sie nicht permanent zu Hause sein), und auch die Zeitungs- und Postboten.

- Verständigen Sie auch bitte die Laborbeaglehilfe (oder den Verein, der Ihnen Ihren Hund vermittelt hat). Wir unterstützen Sie, sofern möglich.

 

Zeitraum des Verschwindens  > mehrere Stunden oder Tage  

ODER bei Verletzung, Krankheit, Schwäche des Tieres  

ODER bei Flucht mit Leine  

(insbesondere bei fehlenden Sichtmeldungen innerhalb der ersten 12-24 Stunden): 

 

- Erweitern Sie den Radius Ihrer Suche und der Suchplakate.

- Holen Sie sich Unterstützung durch kompetente Tierschützer vor Ort.

- Informieren Sie die örtliche Presse.

- Ziehen Sie einen professionell geführten Suchhundeeinsatz in Betracht.

- Ziehen Sie zur strukturierten Suche  professionelle Dienstleister in Betracht. Verschwenden Sie keine Zeit mit selbsternannten Hobby-Pet-Trailern. Mit falscher Suche wird oft mehr zerstört als gewonnen!

- Prüfen Sie den Einsatz einer Lebendfalle. Achtung: beim Aufstellen einer Lebendfalle werden die gröbsten Fehler gemacht, der Hund wird sich nie mehr einer Falle nähern. Lassen Sie sich kompetent beraten!

- Prüfen Sie ggf. den Einsatz einer Distanznarkose. Es versteht sich von selbst, dass dies nur Fachleuten vorbehalten ist.

- Vermeiden Sie Suchen mithilfe privater Gruppen. Daraus ergibt sich für den gesuchten Hund häufig eine Hetzjagd, die es ihm unmöglich macht, das nötige Vertrauen zur Rückkehr zu fassen.

Auch Sucheinsätze mittels anderer Hunde sollten genauestens bedacht werden. Freilaufende, autonome Hunde reagieren und verhalten sich anders als im vertrauten Umfeld.  

Besondere Beachtung muss dieser Umstand finden, wenn der entlaufene Hund erst kurze Zeit bei Ihnen und/oder ängstlich ist. 

 

Bei Sichtmeldungen: halten Sie den Hund im Gebiet. Legen Sie vertraute Kleidungsstücke aus. Richten Sie (geschützte) Futterstellen ein. Installieren Sie gegebenenfalls eine Wildkamera.  

 

Ihr Hund ist wieder da? Gottseidank, Glückwunsch! 

Knuddeln Sie ihn, freuen Sie sich! Schimpfen Sie nicht!  

Und dann, ganz wichtig: Fahren Sie alle Maßnahmen zurück. Setzen Sie sich in Ruhe hin und telefonieren Sie wieder Ihre Liste ab – die Leute am anderen Ende des Telefon müssen wissen, dass Ihr Vermisster wieder sicher zuhause ist. 

Reflektieren Sie das Erlebnis und lernen Sie ;-) 

 

Hunde entlaufen immer wieder, es ist unrealistisch, dies völlig ausschließen zu wollen. 

Bitte: begünstigen Sie die Gelegenheiten nicht und folgen Sie den zum Glück wirklich zahlreich existierenden sinnvollen Checklisten zum Wiederfinden und Einfangen.  

Wir haben leider einige unserer Laborbeagle an fahrende Züge, Autos und andere Umstände verloren.  

Wir wünschen Ihnen von ganzem Herzen, dass Ihnen eine so furchtbare Erfahrung erspart bleibt. 

 

Ein Nachhall dieses Erlebnisses bleibt. Bei Ihnen – Sie sind erschüttert und werden alles tun, um ähnliches in Zukunft zu vermeiden.  

Aber auch Ihr Hund hat mit dem Erlebnis zu tun: vielleicht hat er einfach „nur“ Muskelkater und wunde Pfoten, vielleicht ist er aber auch verletzt worden. Womöglich hat er auch so großen Gefallen an der Extratour gefunden, dass er sie gern baldigst wiederholen würde.  

 

Nehmen Sie sich die Zeit, und notieren Sie in einer ruhigen Minute die folgenden Daten und Telefonnummern.   

Schauen Sie nach, wo die einzelnen Institutionen in Ihrer Gegend zu finden sind. Wenn Ihr Hund nicht mehr an Ihrer Seite ist und Sie vor Angst und Sorge kaum noch wissen, wie Sie selbst heißen, haben Sie nicht die Nerven zum Recherchieren.  

 

 

Speichern Sie die Liste in Ihrem Smartphone und informieren Sie Ihre Familienmitglieder.

Deponieren Sie die Liste an einem zentralen Ort. 

 

Name des Hundes: ___________________________________________________ 

Ort, Datum & Uhrzeit des Entlaufens:______________________________________ 

Chip- oder Tattoo-Nr.: ________________________________________________ 

Besondere Kennzeichen:______________________________________________ 

Tasso-Nr.: __________________________________________________________ 

Alter des Hundes / Geburtsdatum:______________________________________ 

Name & Telefonnummern des Halters:___________________________________ 

Legen Sie ein Foto bereit, beschreiben Sie ihren Hund (Rasse, Geschlecht, Größe, Fellfarbe, Ausstattung – Leine etc., typisches Verhalten: zutraulich oder ängstlich) 

Wichtige Telefonnummern: 

Örtliches Polizeirevier: ______________________________________________ (ggf. 110) 

Bahnpolizei:_______________________________________________________ 

Tierheime: ________________________________________________________ 

Tierkliniken: _______________________________________________________ 

Tierärzte: _________________________________________________________ 

Revierförsterei: _____________________________________________________ 

Tasso-Notruftelefon:  06190  93 73 00  

K9-Notruftelefon:  0173 979 6666 

Jagdpächter: _______________________________________________________ 

Gemeinde/Bauhof/Straßenmeisterei: __________________________________________________________________ 

 

Ergänzen Sie diese Liste nach Ihren eigenen geographischen und persönlichen Besonderheiten. Vielleicht hat Ihr Hund gute Kumpels, zu denen er hinlaufen würde. Vielleicht gibt es bei Ihnen einen Fährdienst oder große Gewässer (Wasserschutzpolizei, Küstenwache). Vielleicht wohnen Sie im Umfeld einer Schule, wo Kinder den Hund positiv oder auch negativ beachten würden. Sprechen Sie Ihren Briefträger, den Zeitungsboten, öffentliche Verkehrsbetriebe und die Müllabfuhr an. Klären Sie, welcher Tierarzt ggf. schnell verfügbar ist (Bereitschaftsdienst). Wir wissen, dass es eine Menge Hundebesitzer gibt, die gegen Jagd und Jäger votieren (was niht besonders klug ist, aber das ist ein anderes Thema). Trotzdem: Wenn Sie einen jagdaffinen Hund haben, machen Sie sich mit den bei Ihnen zuständigen Jagdausübungsberechtigten und Förstern bekannt. Es ist in jedem Falle gut, wenn Menschen, die von Berufs wegen im Wald unterwegs sind, Ihren Hund kennen und wissen, wo er ggf. abgegeben werden kann. 

Informieren Sie sich, ob es in Ihrer Region hilfsbereite Tierschutzorganisationen und professionelle Suchhunde gibt. 

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wissen, wo Ihr Hund sich aufhält. 

 

Ihre Megan McGary :-)