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BeuH 3 - Warum Beaglehalter die besseren Menschen sind

 

Der Beagle ist kein Hund, mit dem man repräsentieren kann.

Er läuft grunzend neben dir her, die Nase auf dem Boden, sieht nach einer Runde durch den Januarwald aus wie ein Schwein und verhält sich auch so.

Augenblick, brrr, retour: „läuft neben dir her“ stimmt nur bedingt. In der Regel ist er, die 12 Meter Schleppleine ausnutzend bis zum letzten Millimeter, irgendwo satelliten-, trabantengleich in deiner Nähe.

(Könnte schön sein, sich so als Sonne fühlen. Wenn man denn die Sonne wäre. Zentralgestirn ist man bei einem Beagle aber nur, wenn man zufällig eine Hühnerkeule in den Fingern hält. Ansonsten ist der Beagle nämlich seine eigene Sonne.)

Ab und zu gibt er einen durchdringenden Laut von sich, der dir das Blut in den Adern gefrieren lässt (und den Anwohnern und Autofahrern im Umkreis von 3 km genauso. Gelegentlich spricht man dich an: „Was ist denn eigentlich mit Ihrem Hund? Quälen Sie den?“, und mustert dich dabei so komisch, als würde man gern mal in deinen Keller gucken, mit einem Nachtsichtgerät auf der Stirn, wie Clarice Starling im Lämmerfilm, wo der Typ das Mädchen in der Grube…hm, lassen wir das).

 

Hübsch ist er ja, der Beagle. Böse Zungen behaupten, die würden alle gleich aussehen, was natürlich keineswegs stimmt, aber erklären Sie das mal einem Dackelclub-Premiumhundebesitzer! Nur die Frage „ist das noch ein Welpe?“ geht mir zunehmend auf die Nerven. Der Hund ist 8 Jahre alt!

Am Beagle ist ein Hamster verloren gegangen. (Na, obwohl: Bei all diesen Pocket-Experimenten damals in England… okay, okay, falsches Sujet).

Das Körbchen sieht aus wie der durchschnittliche Einkaufswagen einer bundesdeutschen Großfamilie an Wochenenden: Von Toilettenpapier bis zum Bifi ist alles drin. Kann dieses Tier wirklich davon ausgehen, dass es hier dem Hungertode nahe kommt? Was stimmt in diesem hübsch dekorierten, butterblumenfarbenen Oberstübchen nicht?  Nach diesen ganzen Jahren bei uns könnte er dieses Pansen-Teilen-Trauma nach der Meutejagd und automatisch davon ausgehen, zu kurz zu kommen, doch langsam abgelegt haben! Hier gibt es keine vierzigköpfige Konkurrenz, alle ähnlich verpeilt! Nur drei!

 

Abgesehen davon gibt's bei uns gar keinen ganzen Pansen. Ich schneide ihn immer in handliche Stücke, kann man auch noch gut dran zerren, aber die Chancen sind größer, dass nicht einer allein alles wegschleppt.

 

Um mit einem Beagle mithalten zu können, brauchen Sie a) gutes Schuhwerk, b) gesunde Knie, c) austrainierte Arme. Hilfreich wäre ein guter Wurfarm, der könnte die ruckartigen Bewegungen vielleicht kompensieren. Wenn Sie zum Beispiel jahrelang eine Handballmannschaft zur Meisterschaftsreife trainiert haben, sind Sie gut geeignet. Warum das jetzt? Na, weil Ihr an der Schleppleine geführter Beagle gewisse Herausforderung birgt.

Der rammt seine knapp 20 Kilo so unvermittelt in den Boden, dass es eine gewisse Mannstoppwirkung hat. Wie schon ein anderer Stelle ausführlich beschrieben:  einfach so träumend und sorglos durch die Gegend flanieren ist mit dem Beagle nicht.

Haben Sie schon einmal gesehen, wie ein Dummy auf den Prellbock knallt? So hält der Beagle in seinem Lauf inne, sobald die winzige Ahnung einer Spur seine Nase kreuzt.

 

Klar kann man einen Beagle erziehen. Es fordert nur ein bisschen mehr Aufwand als bei vielen anderen Hunderassen. Von Ihnen verlangt das bestimmte Eigenschaften. Nicht unähnlich denen eines drill sergeants auf Parris Island, wenn Sie wissen, was ich damit sagen will. Und Sie dürfen niemals nachlassen in Ihrer Aufmerksamkeit!!

 

Als Beaglehalter sind sie der Paranoia so nah wie kein anderer Hundehalter. Ständig befragen Sie sich intensiv: Ist der Zaun hoch genug? Ist der Zaun dicht genug? Kriegt der Hund genug Bewegung? Ist er ausgelastet? Ist er zu dick (= größte Todsünde, die ein Beaglehalter überhaupt nur begehen kann, absolut unverzeihlich)?; wie gewöhne ich ihm das Jagen ab? Sind das da hinten Hasenohren am Waldrand? Und habe ich überhaupt das Vorhängeschloss am Kühlschrank wieder zugemacht?

Für Beagle sind Regeln das, was Geschwindigkeitsbegrenzungen für manche Autofahrer sind: freundliche Empfehlungen, keineswegs bindend.

 

Ich mache mir gerne mein eigenes Bild von den Dingen. Wenn die Wettervorhersage Panikrunden dreht und behauptet, die infernalische Hitze wäre eine gefährliche Dürreperiode, und die winterlichen minus 15 Grad führten stante pede in die nächste Eiszeit, das morgendliche Februarglatteis sei eine nationale Katastrophe und überhaupt wäre das doch alles nicht mehr normal - dann höre ich mir das an, mache mir aber mein eigenes Bild. Das nennt man gesunden Menschenverstand und Urteilsfähigkeit.

 

So war das auch beim Erwerb meines ersten Beagle, einem Welpen: Ich hörte es mir an, sah den Leuten eine Weile zu und glaubte zu wissen, worauf ich mich einließ. Gut, dass wir den als Welpen schon hatten. Das entschädigt für vieles. Und stählt einen bei dem, was noch kommt.

Beagle Nr. 2 ff. potenzierte dann alles. Unsere Hunde sind sozialverträglich und man kann mit ihnen auf die Straße gehen. In 70% der Fälle machen sie, was sie sollen. Okay, in 60.

 

Man kann sagen, nach fünfzehn Jahren Beagle kennen wir uns annähernd aus. Im Kompromissemachen sind wir echt top und sozial daher äußerst begehrt!

Man kann somit sagen, der Beagle verbessert unseren Charakter :-)

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Kommentare: 14
  • #1

    Ilona (Samstag, 16 Februar 2019 18:48)

    Toll geschrieben, sehr amüsant und-leider nur zu wahr��das Gassi gehen könnte nicht treffender beschrieben werden!!!!

  • #2

    Karsten (Samstag, 16 Februar 2019 19:44)

    Ich vergleiche die Erziehung eines Beagles mit dem eines Kindes...

    Ein Beagle zeigt einem zu 100% die Fehler auf die man dabei machte....

    Aber ein gewisser stolz ergreift mich auch dabei.

    Wir haben mit der Erziehung keine Fehler gemacht....

    Jagdtrieb: 0-5%
    Gehorsam: wie im Bootcamp, harte stimme = Gehorsam
    Ich komme mir oft wie ein Drillseargent vor��
    Freilauf: geht super

  • #3

    Sandra Fuchs (Samstag, 16 Februar 2019 21:44)

    Einfach herrlich auf den Punkt gebracht ��

  • #4

    Ulrike Hiebler-Dörfler (Samstag, 16 Februar 2019 22:16)

    Einmal Beagle immer Beagle. Habe 2 von diesen Fressmaschinen und einen Tornjak - Herdenschutzhund aus Bosnien und auf jedem Küchenkastl eine Kindersicherung. Die Beagle quetschen sich durch die Katzenklappe - dahinter hängt die Leckerlijacke und stehlen das Katzenfutter am Kratzbaum.

  • #5

    Hoffmann (Sonntag, 17 Februar 2019 13:40)

    Ich habe meinen Lenny nur 2 Jahre gehabt ( abgegeben wegen Krankheit). Aber ich kann sagen, dass ein Beagel so, genau so ist. Ich möchte allen Beagelhaltern zurufen:
    Erzieht sie gut, aber brecht nicht ihren Willen. Ein Beagel muß frech sein, Schinken stehlen, im Wald alle Höhlen durchsuchen, jeden Hasen jagen, also alles, was er will.
    Dann kommt er zum kuscheln zurück.

  • #6

    Siegrid (Sonntag, 17 Februar 2019 20:39)

    Super witzig geschrieben und so wahr....meiner hat sich leider mit seinen fast 8 Jahren statt auf Hasen auf kackehaufen suchjagd verlegt.naja....eine Fuchsfährte könnte ihn von seiner Leidenschaft ablenken.

  • #7

    Melli (Sonntag, 17 Februar 2019 21:51)

    Unsere Lucy wird im Sept. 4 Jahre . Ich liebe sie so wie sie ist verfressen, schnüffeln am Boden hängende Spaziergänge. Aber für mich der liebste Hund aller Zeiten.

  • #8

    Birgit (Montag, 18 Februar 2019)

    Grad gestern noch - wieder einmal - schaute mein Mann verlegen weg, wie ich wieder einmal quer über die Prärie hinter Alfred her(schrie)rief - � Unser entzückender 6-Jähriger, der unentwegt selbst entscheidet, ob er zu der dicken blonden Frau zurückkommen soll (ja nicht zügig und geradeaus, nein nein, immer in mehreren rechts-links-Schlenkern sowie mit wieder einmal spontanem Stehenbleiben weil da ja, ach wie selten das vorkommt, auf der Wiese ein Grashalm ist, der intensiv beschnüffelt werden muss. Wie lieben ihn abgöttisch, ohne ihn geht nichts mehr�

  • #9

    Simone und Beagle Rasmus (Montag, 18 Februar 2019 12:35)

    Klasse!!! Stimmt alles...wir haben trotzdem schon denn zweiten Beagle ;-)
    Sehr lustig geschrieben...habe mich schlapp gelacht!!

  • #10

    Andrea mit Beagle Jerry (Dienstag, 19 Februar 2019 12:40)

    Wie wahr, einfach witzig und realitätsnah geschrieben. Wie heisst es so schön... Ein Beagle kommt nur dann sofort zurück, wenn er nichts besseres gerade zutun hat�

  • #11

    Liane und Andreas (Donnerstag, 21 Februar 2019 09:29)

    Sehr schön geschrieben und wir können alles bestätigen. Haben auch zwei Beagels ohne können wir uns nicht mehr vorstellen. Halten uns auf trab. Für uns Therapiehunde, wenns Ihnen gut geht, gehts uns auch gut.

  • #12

    Frank (Donnerstag, 21 Februar 2019 10:25)

    Super geschrieben und durchweg wahr. Aber es sind einfach liebenswerte Hunde. Wir geben uns auch Mühe mit Erziehung und gehen in Hundeschule, aber irgendwo ist er nicht nur ein Hund und ich glaube da sind alle Beagle gleich. Für mich hat der Beagle etwas menschliches an sich.

  • #13

    T.Odinsson (Donnerstag, 21 Februar 2019 22:26)

    Wenn ich diesen Artikel und die Bemerkungen dazu lese, denke ich eigentlich: „Leute, das ist Alles sehr treffend und lebensnah beschrieben. Aber: Es geht noch viel schlimmer.“
    Trotzdem sind die kleine Beagel-Tiere mit die liebenswertesten Geschöpfe, die es gibt.
    Familie mit Beagel 8 Monate alt.

  • #14

    Patty (Mittwoch, 27 März 2019 04:02)

    Super, habe Tränen gelacht! Es stimmt fast alles. Meine Bonny hatte gestern ihren neunten Geburtstag und ich möchte keinen Tag davon missen. Mit dem Freilauf klappt es bei uns sehr gut solange kein Hundekumpel in Sicht kommt. Dann hab ich verloren. Bonny darf ihre Nase so auslasten wie es eigentlich bei einem Beagle sein soll, sie ist ausgebildet und geprüft als Nachsuchenhund. Also ein echter Jagdhund.... Und die beste Wärmflasche im Bett die es gibt��